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Family-Office-Software auswählen: die Kategorien und die richtige Ausgangsfrage

Net-Worth-Tracker, Reporting-Plattform, Enterprise-Suite, Operating System oder Tabelle — welche Kategorie passt, entscheidet der Engpass und nicht das verwaltete Volumen.

Leutrim Miftaraj
Leutrim Miftaraj
Gründer & CEO
·8 min read

Wer Family-Office-Software auswählt, vergleicht regelmässig Produkte, die gar nicht in derselben Kategorie spielen. Ein Net-Worth-Tracker und eine institutionelle Reporting-Plattform lösen völlig verschiedene Probleme, auch wenn beide Vermögen im Marketing führen.

Dieser Beitrag ordnet die Kategorien und beschreibt die Ausgangsfrage, die vor jedem Produktvergleich steht. Der Gesamtzusammenhang steht im Leitfaden zum Family Office Operating System.

Die falsche und die richtige Ausgangsfrage

Die falsche Frage lautet: Ab welchem Vermögensvolumen lohnt sich Software? Volumen ist der falsche Massstab. Ein einzelnes grosses Mandat mit einfacher Struktur kann leichter zu führen sein als fünf kleine mit verschachtelten Vehikeln über mehrere Jurisdiktionen.

Die richtige Frage lautet: Wo geht die Zeit tatsächlich hin? Wenn es das Erstellen von Berichten ist, gehört eine Reporting- und Aggregationsplattform gewählt. Wenn es das Suchen von Dokumenten, das Nachhalten von Fristen und die Nachweisführung ist, ist es ein Operating System. Diese Unterscheidung ordnet den ganzen Markt.

Die fünf Kategorien

Net-Worth-Tracker liefern einen konsolidierten Überblick über eine breite Palette von Anlagen bei niedriger Einstiegshürde. Sie sind für einzelne Vermögensträger und deren Berater gebaut, nicht für Mandatsverwaltung, KYC-Kontrollen oder Fakturierung.

Reporting- und Aggregationsplattformen automatisieren Datenzuflüsse von Banken und Depotstellen, bereinigen sie und erzeugen Berichte. Sie decken das Berichten stark ab; Compliance-Operations muss anderweitig gelöst sein.

Enterprise-Suiten bieten tiefe Analytik, umfangreiche Integrationen und die Abbildung komplexer Eigentumsverhältnisse. Die Einführung ist projekthaft und der Betrieb setzt Ressourcen voraus — für eine Boutique meist überdimensioniert.

Operating Systems setzen bei Mandaten, wirtschaftlich Berechtigten, KYC mit Audit-Trail, Fristen, Dokumenten und Fakturierung an und liefern die Konsolidierung darüber. Sie verlangen Struktur, bevor Nutzen entsteht.

Und schliesslich die Tabellenkalkulation, die für sehr kleine Strukturen weiterhin eine legitime Wahl ist.

Woran Tabellen brechen

Die Tabelle bricht nicht am Rechnen. Sie bricht bei mehreren gleichzeitigen Bearbeitern, bei abgestufter Zugriffssteuerung und bei der Nachweisführung gegenüber einer Revision. Solange diese drei Punkte nicht drücken, ist eine gut geführte Tabelle die günstigere Lösung.

Diese Prüfung ist konkreter als jede Volumensgrenze: Bearbeiten mehrere Personen dieselbe Datei? Dürfen unterschiedliche Personen Unterschiedliches sehen? Verlangt jemand einen Nachweis, wer wann was geändert hat? Wer alle drei mit Nein beantwortet, braucht keine Plattform.

Die Kriterien, die im Betrieb zählen

Über die Kategorie hinaus entscheiden fünf Punkte. Erstens der Speicherort der Daten samt Verschlüsselung, Mandantentrennung, Auftragsverarbeitungsvertrag und Subprozessor-Transparenz — bei Vermögens-, Struktur- und Personendaten regelmässig ein Ausschlusskriterium.

Zweitens die Härte der Mandantentrennung: Läuft sie nur in der Anwendungslogik oder auf Datenbankebene? Der Unterschied wird sichtbar, wenn im Anwendungscode ein Filter fehlt. Drittens der Umgang mit KI: mandatsgebunden, mit Quellenangabe, ohne Training auf Kundendaten — oder ungeklärt. Viertens der Migrationspfad, weil er über die tatsächliche Einführbarkeit entscheidet. Fünftens die Datenqualität: Werden fehlende Devisenkurse, veraltete Bewertungen und Feed-Fehler sichtbar gemacht, bevor sie in einen Bericht gelangen?

Der häufigste Auswahlfehler

Produkte aus verschiedenen Kategorien anhand von Funktionslisten zu vergleichen führt zur Auswahl des Produkts mit der längsten Liste — nicht des passenden. Eine lange Liste ist ein Signal für Kategorie, nicht für Eignung: Enterprise-Suiten haben naturgemäss die längsten Listen und sind für eine Boutique trotzdem meist die falsche Wahl.

Kategorien lassen sich kombinieren

Verbreitet und sinnvoll ist die Kombination: eine Aggregationsplattform für die Datenbeschaffung, ein Operating System für die Operations. Wichtig ist dabei die Prüfung der Schnittstellen, sonst entsteht doppelte Datenpflege — und die ist teurer als das System, das man vermeiden wollte.

Eine ausführliche Gegenüberstellung der Kategorien mit den jeweiligen Grenzen steht unter Family-Office-Software im Vergleich; den Sonderfall des Umstiegs aus Tabellen behandelt Excel oder Family-Office-Software.

About the author
Leutrim Miftaraj
Leutrim Miftaraj
Gründer & CEO · Innopulse Consulting

Gründer und leitender Ingenieur von Innopulse Consulting. MSc Innovation Management (FFHS). Autor von „Identity Over Discipline".

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