Fachbegriffe, klar erklärt
170 Begriffe aus EU AI Act, Datenschutz, SaaS, SEO und Projektmanagement — fundiert, aktuell und auf den DACH-Raum bezogen. Jeder Eintrag verlinkt zur vertiefenden Analyse.
EU AI Act
KI-Regulierung & Compliance
Der EU AI Act (KI-Verordnung) ist die weltweit erste umfassende gesetzliche Regulierung künstlicher Intelligenz. Er verfolgt einen risikobasierten Ansatz, der KI-Systeme je nach Gefährdungspotenzial in vier Stufen einteilt und entsprechend unterschiedliche Pflichten auferlegt. Der Grossteil gilt seit August 2026, die Hochrisiko-Pflichten folgen ab Dezember 2027.
Ein KI-System ist nach dem EU AI Act ein maschinengestütztes System, das mit einem gewissen Grad an Autonomie betrieben wird, aus Eingaben Ausgaben wie Vorhersagen, Empfehlungen oder Entscheidungen ableitet und dabei seine Umgebung beeinflussen kann. Diese Definition orientiert sich eng an der Begriffsbestimmung der OECD.
Ein Hochrisiko-KI-System ist nach dem EU AI Act ein KI-System, das ein erhebliches Risiko für Gesundheit, Sicherheit oder Grundrechte birgt. Dazu zählen unter anderem KI in der Personalauswahl, Kreditwürdigkeitsprüfung, kritischen Infrastruktur und Bildung. Solche Systeme tragen den umfangreichsten Pflichtenkatalog der Verordnung.
KI-Kompetenz nach Artikel 4 des EU AI Act ist die Pflicht von Anbietern und Betreibern, Massnahmen zu ergreifen, die die KI-Kompetenz ihres Personals und anderer für sie tätiger Personen fördern. Seit dem Digital-Omnibus vom Juli 2026 muss kein bestimmtes Niveau pro Person garantiert werden; verlangt sind angemessene, rollenbezogene und nachweisbare Massnahmen.
Ein GPAI-Modell (General-Purpose AI, KI-Modell mit allgemeinem Verwendungszweck) ist ein KI-Modell, das eine breite Palette unterschiedlicher Aufgaben erfüllen kann und sich in viele nachgelagerte Systeme integrieren lässt. Grosse Sprachmodelle sind das prominenteste Beispiel. Der EU AI Act enthält für GPAI-Modelle ein eigenes Pflichtenregime.
Annex III (Anhang III) des EU AI Act ist die Liste der Anwendungsbereiche, in denen KI-Systeme grundsätzlich als hochriskant gelten. Dazu zählen unter anderem Biometrie, kritische Infrastruktur, Bildung, Beschäftigung, der Zugang zu wesentlichen Diensten, Strafverfolgung und Justiz. Die Liste ist der zentrale Massstab für die Hochrisiko-Klassifizierung.
Verbotene KI-Praktiken nach Artikel 5 des EU AI Act sind KI-Anwendungen, die als so gefährlich für Grundrechte und Sicherheit gelten, dass sie in der EU vollständig untersagt sind. Dazu zählen unter anderem manipulative Systeme, Social Scoring durch Behörden und bestimmte Formen biometrischer Überwachung. Das Verbot gilt seit Februar 2025.
Eine Konformitätsbewertung ist das Verfahren, mit dem nachgewiesen wird, dass ein Hochrisiko-KI-System die Anforderungen des EU AI Act erfüllt, bevor es auf den Markt kommt. Je nach System erfolgt sie durch interne Kontrolle des Anbieters oder unter Einbeziehung einer benannten Stelle und mündet in die CE-Kennzeichnung.
Im EU AI Act ist der Anbieter, wer ein KI-System entwickelt oder entwickeln lässt und es unter eigenem Namen in Verkehr bringt oder in Betrieb nimmt. Betreiber ist, wer ein KI-System in eigener Verantwortung beruflich verwendet. Die Rolle bestimmt die Pflichten, und ein Betreiber kann durch eigene Änderungen selbst zum Anbieter werden.
Die Grundrechte-Folgenabschätzung, englisch Fundamental Rights Impact Assessment (FRIA), ist eine Pflicht nach Art. 27 AI Act für bestimmte Betreiber von Hochrisiko-KI: Vor dem ersten Einsatz beurteilen sie, wie das System Grundrechte der betroffenen Personen beeinträchtigen kann, und melden das Ergebnis der Marktüberwachungsbehörde.
Art. 50 AI Act verpflichtet Anbieter und Betreiber bestimmter KI-Systeme zur Offenlegung: Menschen müssen erfahren, dass sie mit einer KI interagieren, KI-generierte Inhalte müssen maschinenlesbar gekennzeichnet sein, und Deepfakes sowie bestimmte KI-Texte zu Themen von öffentlichem Interesse sind offenzulegen. Die Pflichten gelten unabhängig von der Risikoklasse.
Ein KI-Reallabor, englisch AI Regulatory Sandbox, ist ein von einer Behörde eingerichteter, kontrollierter Rahmen, in dem Unternehmen innovative KI-Systeme für eine begrenzte Zeit unter Aufsicht entwickeln, trainieren und testen können. Nach Art. 57 AI Act muss jeder EU-Mitgliedstaat mindestens ein solches Reallabor einrichten.
Post-Market-Monitoring ist die Pflicht von Anbietern von Hochrisiko-KI, die Leistung ihrer Systeme nach dem Inverkehrbringen systematisch zu beobachten, Daten dazu zu sammeln und auszuwerten. Dazu gehört nach Art. 73 AI Act die Meldung schwerwiegender Vorfälle an die Marktüberwachungsbehörde innert kurzer, gestaffelter Fristen.
Menschliche Aufsicht verlangt, dass Hochrisiko-KI-Systeme so gebaut und betrieben werden, dass Menschen sie während der Nutzung wirksam überwachen, ihre Ergebnisse richtig einordnen, sie übersteuern und anhalten können. Anbieter müssen die Aufsicht im Design ermöglichen (Art. 14 AI Act), Betreiber sie kompetenten Personen übertragen (Art. 26).
KI-Governance ist der organisatorische Rahmen, mit dem ein Unternehmen den Einsatz von KI steuert: Verantwortlichkeiten, Richtlinien, ein Inventar der Systeme, Risikoeinstufung, Freigabe neuer Anwendungen, Überwachung und Dokumentation. Sie verbindet die Anforderungen aus AI Act, Datenschutz, Informationssicherheit und Aufsicht in einem Ablauf.
Ein KI-Inventar ist die vollständige, gepflegte Liste aller KI-Systeme, die ein Unternehmen entwickelt, anbietet oder nutzt — mit Zweck, Nutzerkreis, verarbeiteten Daten, Anbieter, Rolle nach AI Act, Risikoklasse und verantwortlicher Person. Es ist die Grundlage für jede weitere Pflicht, vom AI Act über den Datenschutz bis zur Aufsicht.
Harmonisierte Normen sind europäische Normen, die im Auftrag der Kommission erarbeitet und im Amtsblatt veröffentlicht werden. Wer ein Hochrisiko-System nach ihnen baut, profitiert von der Vermutung, die entsprechenden Anforderungen des AI Act zu erfüllen (Art. 40). Ihre Verzögerung war ein Grund für die Verschiebung der Hochrisiko-Pflichten durch den Digital-Omnibus.
ISO/IEC 42001 ist der internationale Standard für Managementsysteme für künstliche Intelligenz, veröffentlicht im Dezember 2023. Er beschreibt, wie eine Organisation den Einsatz und die Entwicklung von KI systematisch steuert, und ist zertifizierbar. Aufgebaut ist er wie andere ISO-Managementsysteme, etwa ISO/IEC 27001 für Informationssicherheit.
Datenschutz
DSGVO & revDSG
Ein Datenschutzbeauftragter (DSB) ist eine Person, die in einem Unternehmen die Einhaltung des Datenschutzrechts überwacht und berät. Nach der DSGVO ist die Bestellung eines DSB unter bestimmten Voraussetzungen Pflicht, etwa bei umfangreicher Verarbeitung besonderer Daten oder systematischer Überwachung; in der Schweiz ist sie meist freiwillig, aber empfohlen.
Privacy by Design ist der Grundsatz, Datenschutz von Anfang an in die Gestaltung von Systemen und Prozessen einzubauen, statt ihn nachträglich aufzusetzen. Die DSGVO verankert ihn als rechtliche Pflicht: Datenschutz durch Technikgestaltung und durch datenschutzfreundliche Voreinstellungen müssen bereits bei der Konzeption berücksichtigt werden.
Betroffenenrechte sind die Rechte, die die DSGVO natürlichen Personen in Bezug auf ihre personenbezogenen Daten gewährt. Dazu zählen das Recht auf Auskunft, Berichtigung, Löschung, Einschränkung der Verarbeitung, Datenübertragbarkeit und Widerspruch sowie Schutz vor rein automatisierten Entscheidungen. Unternehmen müssen diese Rechte in der Regel innerhalb eines Monats erfüllen.
Eine Einwilligung ist nach der DSGVO eine freiwillige, spezifische, informierte und unmissverständliche Willensbekundung, mit der eine Person der Verarbeitung ihrer Daten zustimmt. Sie ist eine von sechs Rechtsgrundlagen, muss aktiv erteilt werden, ist jederzeit widerrufbar und vom Unternehmen nachweisbar zu dokumentieren.
Besondere Kategorien personenbezogener Daten nach Artikel 9 DSGVO sind besonders sensible Daten wie Gesundheitsdaten, biometrische Daten, Daten zur ethnischen Herkunft, politischen Meinung, religiösen Überzeugung oder sexuellen Orientierung. Ihre Verarbeitung ist grundsätzlich verboten und nur unter engen Ausnahmen zulässig.
Die DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) ist das EU-weite Gesetz zum Schutz personenbezogener Daten. Sie gilt seit Mai 2018, verpflichtet Unternehmen zu Transparenz, Datenminimierung und Sicherheit, gewährt betroffenen Personen weitreichende Rechte und sieht bei Verstössen Bussgelder von bis zu 20 Millionen Euro oder vier Prozent des weltweiten Jahresumsatzes vor.
Das revDSG ist das revidierte Schweizer Datenschutzgesetz, das seit dem 1. September 2023 gilt. Es modernisiert den Schweizer Datenschutz und nähert ihn der EU-DSGVO an, behält aber eigene Besonderheiten. Es stärkt die Rechte betroffener Personen und führt Pflichten wie Privacy by Design, Meldepflichten bei Datenpannen und Bearbeitungsverzeichnisse ein.
Ein AVV (Auftragsverarbeitungsvertrag) ist ein nach Artikel 28 DSGVO vorgeschriebener Vertrag zwischen einem Verantwortlichen und einem Auftragsverarbeiter, der personenbezogene Daten in dessen Auftrag verarbeitet. Er regelt Gegenstand, Dauer, Zweck und Pflichten der Verarbeitung und stellt sicher, dass der Datenschutz auch beim Dienstleister gewahrt bleibt.
Eine Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA, englisch DPIA) ist ein nach Artikel 35 DSGVO vorgeschriebenes Verfahren, mit dem die Risiken einer Datenverarbeitung für die Rechte und Freiheiten betroffener Personen vorab bewertet und gemindert werden. Sie ist erforderlich, wenn eine Verarbeitung voraussichtlich ein hohes Risiko mit sich bringt.
Ein Angemessenheitsbeschluss ist die förmliche Feststellung, dass ein Drittland ein Datenschutzniveau bietet, das dem eigenen gleichwertig ist. In der EU trifft ihn die Europäische Kommission nach Artikel 45 DSGVO, in der Schweiz der Bundesrat nach dem revDSG. Liegt er vor, dürfen Personendaten ohne zusätzliche Garantien in dieses Land übermittelt werden.
Standardvertragsklauseln (SCC) sind von der EU-Kommission vorgegebene Vertragstexte, mit denen Personendaten in Länder ohne Angemessenheitsbeschluss übermittelt werden dürfen. Sie verpflichten den Empfänger auf ein europäisches Schutzniveau. Seit dem Urteil Schrems II müssen sie mit einer Beurteilung des Rechts im Zielland kombiniert werden; die Schweiz anerkennt sie mit Anpassungen.
Das Verzeichnis der Bearbeitungstätigkeiten ist eine strukturierte Übersicht darüber, welche Personendaten ein Unternehmen wofür, über wen, an wen und wie lange bearbeitet. Es ist nach Art. 12 revDSG und Art. 30 DSGVO grundsätzlich Pflicht; in der Schweiz sind Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten befreit, wenn ihre Bearbeitung kein erhöhtes Risiko birgt.
Technische und organisatorische Massnahmen, kurz TOM, sind die Vorkehrungen, mit denen ein Unternehmen die Sicherheit von Personendaten gewährleistet: Vertraulichkeit, Verfügbarkeit, Integrität und Nachvollziehbarkeit. Das revDSG (Art. 8) und die DSGVO (Art. 32) verlangen Massnahmen, die dem Risiko angemessen sind, und lassen die konkrete Ausgestaltung offen.
Eine Verletzung der Datensicherheit ist nach Schweizer revDSG dem EDÖB so rasch als möglich zu melden, wenn sie voraussichtlich zu einem hohen Risiko für die Betroffenen führt (Art. 24 DSG). Unter der DSGVO gilt eine Frist von 72 Stunden an die Aufsichtsbehörde, sofern kein Risiko unwahrscheinlich ist, und bei hohem Risiko sind die Betroffenen zu informieren.
Pseudonymisierte Daten lassen sich nur mit zusätzlichen, getrennt aufbewahrten Informationen einer Person zuordnen; sie bleiben für den Verantwortlichen Personendaten. Anonymisierte Daten lassen sich mit vernünftigem Aufwand keiner Person mehr zuordnen und fallen nicht mehr unter das Datenschutzrecht. Der Unterschied entscheidet darüber, welche Pflichten gelten.
Das Data Privacy Framework ist der Rahmen, über den US-Unternehmen sich gegenüber dem US-Handelsministerium zertifizieren und damit Personendaten aus der EU und der Schweiz ohne zusätzliche Garantien empfangen können. Die EU anerkennt es seit Juli 2023, die Schweiz für den Swiss-US DPF seit dem 15. September 2024 — jeweils nur für zertifizierte Unternehmen.
Die Datenschutzerklärung erfüllt die Informationspflicht gegenüber betroffenen Personen: wer Personendaten bearbeitet, wozu, an wen sie gehen und ob sie ins Ausland gelangen. Das Schweizer DSG verlangt in Art. 19 einen Mindestinhalt; die DSGVO verlangt in Art. 13 und 14 deutlich mehr, etwa Rechtsgrundlagen, Speicherdauer und Rechte der Betroffenen.
Eine automatisierte Einzelentscheidung ist eine Entscheidung, die ausschliesslich auf automatisierter Bearbeitung beruht und für die betroffene Person mit einer Rechtsfolge verbunden ist oder sie erheblich beeinträchtigt, etwa eine vollautomatische Kreditablehnung. Das Schweizer DSG verlangt Information und auf Wunsch eine menschliche Überprüfung (Art. 21); die DSGVO regelt sie in Art. 22.
Ein Transfer Impact Assessment ist die dokumentierte Prüfung, ob Garantien wie Standardvertragsklauseln bei einer Datenübermittlung in einen Drittstaat ohne Angemessenheitsentscheid tatsächlich wirken, insbesondere angesichts behördlicher Zugriffsrechte im Empfängerstaat. Es geht auf das Schrems-II-Urteil des Europäischen Gerichtshofs von 2020 zurück.
Öffentliche Beschaffung
Ausschreibungen & Vergaberecht
Das BöB ist das Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen. Es regelt, wie Stellen des Bundes Aufträge vergeben: welche Verfahren zulässig sind, welche Grundsätze gelten und welchen Rechtsschutz Anbieter haben. Für kantonale und kommunale Vergaben gilt nicht das BöB, sondern die IVöB.
Die IVöB ist die Interkantonale Vereinbarung über das öffentliche Beschaffungswesen. Sie regelt Vergaben von Kantonen, Gemeinden und ihnen zugeordneten Stellen. Jeder Kanton tritt ihr einzeln bei, weshalb der Umsetzungsstand nicht überall gleich ist.
simap.ch ist das gemeinsame Informationssystem über das öffentliche Beschaffungswesen in der Schweiz. Bund, Kantone und Gemeinden publizieren dort ihre Ausschreibungen und die erteilten Zuschläge. Für ein Angebot bleiben stets die offiziellen Unterlagen der Vergabestelle massgebend.
Schwellenwerte sind Auftragswerte, ab denen ein bestimmtes Vergabeverfahren vorgeschrieben ist. Oberhalb der staatsvertraglichen Schwellen aus dem WTO-Beschaffungsübereinkommen gelten die strengsten Regeln und der weiteste Marktzugang. Die Werte werden periodisch angepasst.
Im offenen Verfahren wird ein Auftrag öffentlich ausgeschrieben und jedes interessierte Unternehmen darf direkt ein Angebot einreichen. Es ist die zugänglichste Verfahrensart und wird oberhalb der massgeblichen Schwellenwerte in der Regel verlangt.
Im freihändigen Verfahren vergibt eine öffentliche Stelle einen Auftrag direkt, ohne Ausschreibung. Zulässig ist das unterhalb bestimmter Schwellenwerte sowie in gesetzlich abschliessend geregelten Ausnahmefällen — etwa wenn nur ein Anbieter die Leistung erbringen kann.
Eignungskriterien prüfen, ob ein Anbieter grundsätzlich in der Lage ist, den Auftrag zu erfüllen — etwa über Referenzen, Qualifikationen sowie finanzielle und technische Leistungsfähigkeit. Sie werden vor der Angebotsbewertung geprüft und sind eine Ja-Nein-Entscheidung.
Zuschlagskriterien bewerten die zugelassenen Angebote untereinander und bestimmen, wer den Auftrag erhält. Typisch sind Preis, Qualität, Erfahrung der Schlüsselpersonen und der Lösungsansatz — jeweils mit einer im Voraus bekanntgegebenen Gewichtung.
Das Pflichtenheft ist der Teil der Ausschreibungsunterlagen, der die geforderte Leistung beschreibt. Es legt fest, was zu erbringen ist, in welcher Qualität und unter welchen Bedingungen — und ist damit die Grundlage für Kalkulation und Angebot.
Eine Submissionsbeschwerde ist das Rechtsmittel gegen Verfügungen einer Vergabestelle, etwa gegen einen Ausschluss oder einen Zuschlag. Die Fristen sind kurz und stehen in der Rechtsmittelbelehrung; eine Beschwerde hat nicht automatisch aufschiebende Wirkung.
Family Office
Mandate, UBO & Compliance
Ein Family Office ist eine Organisation, die das Vermögen und die administrativen Angelegenheiten einer oder mehrerer vermögender Familien führt. Ein Single Family Office betreut eine Familie, ein Multi Family Office mehrere. Der Kern der Arbeit ist Betrieb und Governance, nicht nur Anlage.
Der wirtschaftlich Berechtigte, englisch Ultimate Beneficial Owner oder UBO, ist die natürliche Person, der ein Vermögenswert, eine Gesellschaft oder eine Struktur letztlich zuzurechnen ist oder die darüber die Kontrolle ausübt. Die massgeblichen Beteiligungsschwellen unterscheiden sich je nach Jurisdiktion erheblich.
KYC steht für Know Your Customer und bezeichnet die Pflicht, die Identität einer Kundin oder eines Kunden festzustellen, die wirtschaftlich berechtigte Person zu ermitteln und den Hintergrund der Geschäftsbeziehung zu verstehen — beim Onboarding und danach fortlaufend.
Das Geldwäschereigesetz, kurz GwG, verpflichtet Finanzintermediäre in der Schweiz zu Sorgfaltspflichten: Identifizierung der Vertragspartei, Feststellung der wirtschaftlich berechtigten Person, besondere Abklärung bei erhöhtem Risiko, nachvollziehbare Dokumentation aller Abklärungen und Meldung bei begründetem Verdacht.
Eine politisch exponierte Person ist jemand, der eine bedeutende öffentliche Funktion ausübt oder ausgeübt hat, sowie deren nahe Angehörige und nahestehende Personen. Der Status bedeutet keinen Vorwurf, sondern löst erhöhte Sorgfaltspflichten aus.
Look-through-Konsolidierung führt Vermögenswerte durch die Beteiligungsebenen hindurch zusammen, statt nur die direkt gehaltenen Positionen auszuweisen. Bei Strukturen mit Zwischengesellschaften ist das der Unterschied zwischen einer korrekten und einer nur plausiblen Zahl.
Die Tax-Lot-Rechnung führt Kauflose einer Position einzeln und ordnet einem Verkauf bestimmte Lose zu. Aus dieser Zuordnung ergibt sich der realisierte Gewinn. Gängige Methoden sind FIFO, LIFO, HIFO und die Durchschnittsmethode.
Die periodische Überprüfung ist die wiederkehrende Kontrolle einer bestehenden Geschäftsbeziehung: sind die Angaben noch aktuell, hat sich die Struktur verändert, ist die Risikoeinstufung noch zutreffend. Der Rhythmus richtet sich nach dem Risiko.
Das TJPG ist das Bundesgesetz über die Transparenz juristischer Personen und die Identifikation der wirtschaftlich berechtigten Personen. Es ist seit dem 1. Oktober 2026 in Kraft und verpflichtet Schweizer Gesellschaften sowie ausländische Gesellschaften mit Schweiz-Bezug, ihre wirtschaftlich Berechtigten zu ermitteln und einem nicht öffentlichen Bundesregister zu melden.
Ein Transparenzregister ist ein staatliches Verzeichnis der wirtschaftlich Berechtigten von Gesellschaften und ähnlichen Rechtsträgern. Es soll Behörden und geldwäschereirechtlich verpflichteten Stellen zeigen, wer eine Struktur tatsächlich kontrolliert. Deutschland, Österreich und Liechtenstein führen solche Register seit Jahren, die Schweiz seit dem 1. Oktober 2026.
Ein Kontrollinhaber ist die natürliche Person, die eine operativ tätige Gesellschaft letztlich kontrolliert: in erster Linie über mindestens 25 Prozent des Kapitals oder der Stimmen, sonst auf andere Weise, und ersatzweise als geschäftsführende Person. Der Begriff stammt aus der Schweizer Geldwäschereipraxis und wird mit Formular K festgehalten.
Formular A ist das in der Schweiz gebräuchliche Formular, mit dem die Vertragspartei einer Bank oder eines Finanzintermediärs schriftlich erklärt, wer an den eingebrachten Vermögenswerten wirtschaftlich berechtigt ist. Es stammt aus der Sorgfaltspflichtvereinbarung der Banken (VSB) und hat Geschwister für Kontrollinhaber, Trusts, Stiftungen und Versicherungsmäntel.
Eine Sitzgesellschaft ist im Schweizer Geldwäschereirecht eine juristische Person, Stiftung, ein Trust oder eine ähnliche Struktur, die kein Handels-, Fabrikations- oder anderes kaufmännisch geführtes Gewerbe betreibt. Bei ihr wird nicht der Kontrollinhaber, sondern der wirtschaftlich Berechtigte an den Vermögenswerten festgestellt, typischerweise mit Formular A.
KYB, Know Your Business, ist die Sorgfaltsprüfung einer Gesellschaft als Vertragspartei: Existenz, Rechtsform, Sitz, Organe, Zeichnungsberechtigte, Geschäftstätigkeit und vor allem die natürlichen Personen, die sie kontrollieren. KYB ergänzt KYC, das sich auf natürliche Personen bezieht, und endet erst bei den wirtschaftlich Berechtigten.
Sanktionsscreening ist der systematische Abgleich von Personen, Gesellschaften und Transaktionen mit Sanktionslisten, in der Schweiz vor allem mit den Listen des SECO nach dem Embargogesetz. Ziel ist, Geschäftsbeziehungen mit sanktionierten Personen zu erkennen, bevor Vermögenswerte bewegt werden, und Treffer nachvollziehbar zu entscheiden.
Adverse-Media-Screening ist die gezielte Suche nach negativen Medienberichten über eine Person oder Gesellschaft, etwa zu Strafverfahren, Korruption, Betrug oder Sanktionsumgehung. Es ergänzt Sanktions- und PEP-Prüfungen um Risiken, die auf keiner Liste stehen, und verlangt eine Beurteilung von Quelle, Aktualität und Relevanz.
Source of Wealth bezeichnet die Herkunft des Gesamtvermögens einer Person: wie es über die Jahre entstanden ist, etwa durch Unternehmertum, Erbschaft, Erwerbseinkommen oder Anlagen. Die Abklärung prüft, ob Umfang und Entstehung plausibel zusammenpassen, und ist bei erhöhten Risiken und politisch exponierten Personen zwingend.
Source of Funds bezeichnet die Herkunft der konkreten Vermögenswerte, die in eine Geschäftsbeziehung eingebracht oder in einer Transaktion bewegt werden. Die Abklärung prüft anhand von Kontoauszügen, Verträgen oder Abrechnungen, woher genau diese Mittel kommen, und ergänzt die Frage nach der Herkunft des Gesamtvermögens.
Enhanced Due Diligence, kurz EDD, sind die zusätzlichen Abklärungen bei Geschäftsbeziehungen und Transaktionen mit erhöhtem Geldwäschereirisiko. Dazu gehören vertiefte Prüfung von Vermögens- und Mittelherkunft, Zweck der Beziehung, die Zustimmung einer übergeordneten Stelle und eine engere laufende Überwachung. In der Schweiz verankert Art. 6 GwG diese Pflicht.
Der risikobasierte Ansatz ist das Grundprinzip der Geldwäschereibekämpfung nach den FATF-Standards: Sorgfaltspflichten werden nicht für alle gleich, sondern nach dem konkreten Risiko einer Beziehung abgestuft. Wer ihn anwendet, definiert Risikokriterien, stuft jede Beziehung ein und richtet Prüftiefe, Freigabe und Überprüfungsrhythmus danach aus.
Eine Selbstregulierungsorganisation, kurz SRO, ist eine von der FINMA anerkannte private Organisation, die Finanzintermediäre und seit 1. Oktober 2026 auch bestimmte Beratende bei der Einhaltung des Geldwäschereigesetzes beaufsichtigt. Sie erlässt ein Reglement zu den Sorgfaltspflichten, lässt ihre Mitglieder prüfen und kann Sanktionen bis zum Ausschluss verhängen.
Eine Verdachtsmeldung ist die Mitteilung eines Finanzintermediärs an die Meldestelle für Geldwäscherei (MROS) beim Bundesamt für Polizei, wenn er weiss oder begründet vermutet, dass Vermögenswerte aus einem Verbrechen oder qualifizierten Steuervergehen stammen oder der Terrorismusfinanzierung dienen. Die Meldepflicht steht in Art. 9 GwG.
Die AMLA ist die Behörde der Europäischen Union zur Bekämpfung von Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie wurde mit der Verordnung (EU) 2024/1620 geschaffen, koordiniert die nationalen Aufsichtsbehörden und Meldestellen und soll ab 2028 ausgewählte grenzüberschreitend tätige Finanzinstitute direkt beaufsichtigen.
Die AMLR ist die EU-Verordnung (EU) 2024/1624 zur Verhinderung der Nutzung des Finanzsystems für Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung. Sie gilt ab dem 10. Juli 2027 unmittelbar in allen Mitgliedstaaten und ersetzt viele nationale Umsetzungen durch ein einheitliches Regelwerk, unter anderem zu Kundensorgfalt, wirtschaftlich Berechtigten und einer Bargeldobergrenze von 10 000 Euro.
Ein unabhängiger Vermögensverwalter verwaltet Vermögen seiner Kunden mit Vollmacht, während die Vermögenswerte bei einer Depotbank liegen. In der Schweiz braucht er seit dem Finanzinstitutsgesetz (FINIG) eine Bewilligung der FINMA und wird laufend von einer Aufsichtsorganisation beaufsichtigt; die Pflichten des Geldwäschereigesetzes gelten für ihn direkt.
Ein Trust ist ein Rechtsinstitut des angelsächsischen Rechts, bei dem ein Settlor Vermögen auf einen Trustee überträgt, der es für Begünstigte nach den Bestimmungen der Trusturkunde hält und verwaltet. Ein Trust ist keine juristische Person. Die Schweiz anerkennt ausländische Trusts über das Haager Trust-Übereinkommen, das für sie seit 2007 gilt.
Eine Familienstiftung ist eine Stiftung, deren Vermögen an eine Familie gebunden ist. Im Schweizer Recht darf sie nach Art. 335 ZGB nur bestimmte Zwecke verfolgen, etwa die Kosten der Erziehung, Ausstattung oder Unterstützung von Familienangehörigen; reine Unterhaltsstiftungen sind nicht zulässig. Seit 2016 muss sie im Handelsregister eingetragen sein.
Ein Mandat ist im Family Office die Arbeitseinheit für eine Familie oder einen Kunden: Es bündelt die beteiligten Personen, Gesellschaften, Stiftungen und Trusts, die Vermögenswerte, Dokumente, Pflichten und die vereinbarten Leistungen. Am Mandat hängen Zugriffsrechte, Fristen, Berichte und Rechnungen.
Eine Depotbank, englisch Custodian, verwahrt Wertschriften und Konten eines Kunden, führt Transaktionen aus und liefert Auszüge. Im Modell des unabhängigen Vermögensverwalters liegen die Vermögenswerte bei der Depotbank, während der Verwalter mit beschränkter Vollmacht entscheidet. Family Offices arbeiten oft mit mehreren Depotbanken gleichzeitig.
Nicht bankfähige Vermögenswerte sind Werte, die nicht in einem Bankdepot verwahrt und nicht laufend von einer Bank bewertet werden: Immobilien, Direktbeteiligungen an Unternehmen, Privatdarlehen, Kunst, Sammlungen, Fahrzeuge oder selbst verwahrte Kryptowerte. Sie brauchen eine eigene Bewertung mit Datum und Methode, um in eine Gesamtsicht einzufliessen.
Reconciliation ist der systematische Abgleich der eigenen Aufzeichnungen mit externen Quellen, typischerweise mit den Auszügen der Depotbanken: Positionen, Bargeld, Transaktionen und Kurse. Differenzen, sogenannte Breaks, werden erkannt, nach Schwere eingestuft und geklärt, bevor Zahlen in Berichte, Rechnungen oder Steuerunterlagen fliessen.
Ein Audit-Trail ist eine lückenlose, chronologische und nachträglich nicht veränderbare Aufzeichnung darüber, wer wann welche Daten angesehen, erfasst, geändert, freigegeben oder gelöscht hat. Er macht Entscheidungen und Kontrollen nachweisbar und ist im Umfeld von Geldwäscherei- und Datenschutzpflichten die Grundlage jeder Prüfung.
Das Vier-Augen-Prinzip verlangt, dass kritische Vorgänge von zwei voneinander unabhängigen Personen geprüft oder freigegeben werden: etwa Zahlungen, Änderungen von Stammdaten, die Aufnahme risikoreicher Beziehungen oder die Abgabe von Berichten. Es reduziert Fehler und Missbrauch, wirkt aber nur, wenn die zweite Prüfung echt ist und dokumentiert wird.
KYC-Remediation ist das systematische Nachführen eines bestehenden Kundenbestands auf den aktuellen Stand der Sorgfaltspflichten: fehlende Dokumente einholen, veraltete Angaben aktualisieren, Risikoeinstufungen neu bewerten und Lücken schliessen. Auslöser sind neue Vorschriften, Prüfungsbefunde, die Übernahme eines Bestands oder schlicht jahrelang vernachlässigte Überprüfungen.
Kanzlei & Treuhand
Berufsgeheimnis, Mandat & Auftritt
Das Berufsgeheimnis verpflichtet bestimmte Berufe, ihnen anvertraute Geheimnisse zu wahren. In der Schweiz schützt Art. 321 StGB es strafrechtlich, unter anderem für Anwältinnen, Notare, nach Obligationenrecht zur Verschwiegenheit verpflichtete Revisoren, Ärztinnen und ihre Hilfspersonen. Für Anwältinnen und Anwälte konkretisiert Art. 13 BGFA die Pflicht zeitlich unbegrenzt.
Hilfspersonen sind Personen, die einer Berufsgeheimnisträgerin bei ihrer Berufsausübung helfen und dabei von Geheimnissen erfahren, etwa Sekretariat, Assistenz oder Lernende. Sie unterstehen nach Art. 321 StGB selbst dem Berufsgeheimnis. Ob und wann externe Dienstleister wie IT- oder Cloud-Anbieter als Hilfspersonen gelten, ist umstritten und im Einzelfall zu beurteilen.
Der Mandatsvertrag regelt das Verhältnis zwischen Mandantin und Kanzlei, Treuhänder oder Berater. Rechtlich ist er in der Schweiz meist ein einfacher Auftrag nach Art. 394 ff. OR: Geschuldet ist sorgfältiges Tätigwerden, nicht ein bestimmter Erfolg, und beide Seiten können ihn jederzeit beenden. Mandatsbedingungen ergänzen ihn um Honorar, Kommunikation und Datenschutz.
Ein Interessenkonflikt liegt vor, wenn eine Berufsperson die Interessen ihrer Mandantin nicht unabhängig wahrnehmen kann, weil eigene Interessen oder die eines anderen Mandanten entgegenstehen. Für Anwältinnen und Anwälte verlangt Art. 12 lit. c BGFA, jeden solchen Konflikt zu meiden. Kanzleien prüfen deshalb vor jeder Mandatsannahme systematisch auf Konflikte.
SaaS & Engineering
Architektur & Technik
Ein MVP (Minimum Viable Product, minimal funktionsfähiges Produkt) ist die einfachste Version eines Produkts, die genug Wert liefert, um echte Nutzer zu gewinnen und aus ihrem Verhalten zu lernen. Es dient dazu, eine Produktidee mit minimalem Aufwand am Markt zu validieren, bevor grosse Ressourcen investiert werden.
Next.js ist ein quelloffenes Framework für die Entwicklung von Webanwendungen auf Basis von React. Es bietet serverseitiges Rendering, statische Generierung, Routing und eine integrierte API-Schicht und gilt als eine der beliebtesten Grundlagen für moderne, schnelle und suchmaschinenfreundliche Webanwendungen.
Supabase ist eine quelloffene Backend-Plattform, die eine PostgreSQL-Datenbank, Authentifizierung, Dateispeicher und Echtzeit-Funktionen als fertige Bausteine bereitstellt. Sie gilt als Open-Source-Alternative zu Firebase und ermöglicht es, das Backend einer Anwendung schnell und mit starkem Datenschutz aufzubauen.
Eine PWA (Progressive Web App) ist eine Webanwendung, die sich wie eine native App verhält: Sie lässt sich auf dem Startbildschirm installieren, funktioniert teilweise offline und kann Benachrichtigungen senden — läuft aber im Browser und braucht keinen App-Store. PWAs verbinden die Reichweite des Webs mit der Bedienung einer App.
Datenresidenz bezeichnet den geografischen Ort, an dem Daten gespeichert und verarbeitet werden. Im DACH-Raum ist sie eine zentrale Frage des Datenschutzes: Wo Daten liegen, entscheidet über die Anwendbarkeit von DSGVO und revDSG und zunehmend über die Wettbewerbsfähigkeit im B2B-Geschäft.
SaaS (Software as a Service) ist ein Modell, bei dem Software als webbasierter Dienst über das Internet bereitgestellt und meist im Abonnement bezahlt wird, statt sie zu kaufen und lokal zu installieren. Betrieb, Wartung und Updates übernimmt der Anbieter, der Zugriff erfolgt über den Browser.
Multi-Tenancy (Mandantenfähigkeit) ist eine Software-Architektur, bei der eine einzige Instanz einer Anwendung mehrere Kunden (Mandanten) gleichzeitig bedient, wobei die Daten jedes Mandanten strikt von denen der anderen getrennt bleiben. Sie ist das architektonische Fundament fast jedes SaaS-Produkts.
Row-Level-Security (RLS) ist ein Sicherheitsmechanismus von Datenbanken, der den Zugriff auf einzelne Datenzeilen anhand von Regeln steuert. In SaaS-Anwendungen sorgt RLS dafür, dass jeder Nutzer und jeder Mandant nur die Daten sehen und ändern kann, die ihm gehören — durchgesetzt direkt von der Datenbank.
Eine API ist eine definierte Schnittstelle, über die ein Programm die Funktionen eines anderen nutzen kann. Sie legt fest, welche Anfragen zulässig sind und welche Antworten zu erwarten sind — und ist damit ein Vertrag, nicht nur eine technische Verbindung.
Ein Webhook ist eine Benachrichtigung, die ein System bei einem Ereignis von sich aus an eine hinterlegte Adresse sendet. Er kehrt die Richtung um: Statt wiederholt nachzufragen, wird das empfangende System informiert, sobald etwas passiert.
Idempotenz bedeutet, dass dieselbe Operation mehrfach ausgeführt denselben Zustand ergibt wie einmal ausgeführt. In verteilten Systemen ist sie keine technische Feinheit, sondern die Voraussetzung dafür, dass ein Wiederholungsversuch nach einer verlorenen Antwort ungefährlich bleibt.
CI/CD bezeichnet die Automatisierung von Integration und Auslieferung: Jede Änderung wird automatisch gebaut und geprüft, und freigegebene Stände gehen automatisch in Betrieb. Der Zweck ist, Fehler früh zu finden und Auslieferungen unspektakulär zu machen.
Observability bezeichnet die Fähigkeit, aus den Ausgaben eines Systems auf seinen inneren Zustand zu schliessen. Sie geht über Überwachung hinaus: Überwachung beantwortet erwartete Fragen, Observability erlaubt es, unerwartete zu stellen.
Ein Service Worker ist ein Skript, das der Browser getrennt von der Webseite im Hintergrund ausführt. Er steht zwischen Anwendung und Netzwerk, kann Anfragen abfangen, Antworten zwischenspeichern und Push-Nachrichten empfangen — und ist damit die technische Grundlage für Offline-Fähigkeit und Benachrichtigungen in Progressive Web Apps.
Offline-first ist ein Architekturprinzip, bei dem eine Anwendung zuerst mit Daten auf dem Gerät arbeitet und sich im Hintergrund mit dem Server abgleicht. Fehlende Verbindung ist damit kein Fehlerfall, sondern ein normaler Zustand. Der Kern liegt in Synchronisation und Konfliktauflösung, nicht in der Speicherung.
Vendor-Lock-in bezeichnet die Abhängigkeit von einem Anbieter, die einen Wechsel so teuer oder riskant macht, dass er faktisch nicht stattfindet. Ursachen sind proprietäre Datenformate, fehlende Exportmöglichkeiten, tief integrierte Spezialfunktionen und Verträge ohne geregelten Ausstieg. Bei SaaS ist die zentrale Frage, was mit den eigenen Daten bei Kündigung geschieht.
Single Sign-on (SSO) erlaubt es Nutzern, sich einmal bei einem zentralen Identitätsanbieter anzumelden und damit Zugang zu mehreren Anwendungen zu erhalten. In B2B-SaaS dominieren zwei Standards: SAML 2.0, verbreitet in Unternehmen, und OpenID Connect (OIDC) auf Basis von OAuth 2.0, verbreitet in modernen Anwendungen. Für Unternehmenskunden ist SSO oft eine Kaufbedingung.
RPO (Recovery Point Objective) ist der maximal tolerierbare Datenverlust, gemessen als Zeitraum vor einem Ausfall. RTO (Recovery Time Objective) ist die maximal tolerierbare Dauer bis zur Wiederherstellung des Betriebs. Beide Ziele bestimmen, wie Backups, Replikation und Notfallpläne gebaut werden müssen, und sie gehören in Verträge mit Kunden.
Feature Flags sind Schalter im Code, mit denen sich Funktionen zur Laufzeit ein- oder ausschalten lassen, ohne neu zu deployen. Sie trennen das Ausliefern von Code vom Freischalten einer Funktion und ermöglichen schrittweise Rollouts, Tests mit einzelnen Kunden, schnelles Abschalten bei Fehlern und Funktionen pro Plan oder Mandant.
Ein Penetrationstest ist ein autorisierter, simulierter Angriff auf eine Anwendung oder Infrastruktur, mit dem Fachleute Schwachstellen finden, bevor Angreifer es tun. Anders als automatisierte Scans prüft ein Pentest auch Logik- und Berechtigungsfehler, etwa ob ein Mandant auf Daten eines anderen zugreifen kann. Ergebnis ist ein Bericht mit priorisierten Befunden.
Rate Limiting begrenzt, wie viele Anfragen ein Nutzer, ein Mandant, ein Schlüssel oder eine IP-Adresse in einem Zeitraum an eine Anwendung stellen darf. Es schützt vor Missbrauch, Brute-Force-Angriffen, Überlast und Kostenexplosionen, etwa bei KI-Funktionen. Überschrittene Grenzen werden üblicherweise mit dem HTTP-Status 429 beantwortet.
Secrets Management ist der sichere Umgang mit Zugangsdaten wie API-Schlüsseln, Datenbankpasswörtern, Signaturschlüsseln und Tokens: wo sie gespeichert werden, wer Zugriff hat, wie sie in Anwendungen gelangen, wie sie rotiert und wie Lecks erkannt werden. Grundregel: Geheimnisse gehören nie in den Code und nie in den Browser.
SaaS-Kennzahlen
Metriken & Geschäftsmodell
MRR (Monthly Recurring Revenue, monatlich wiederkehrender Umsatz) ist die normalisierte Summe aller planbaren, wiederkehrenden Abonnement-Einnahmen eines SaaS pro Monat. Sie ist die wichtigste Wachstumskennzahl im SaaS, weil sie die stabile, vorhersehbare Erlösbasis abbildet — unabhängig von einmaligen Zahlungen.
Churn (Abwanderungsrate) ist der Anteil der Kunden oder des wiederkehrenden Umsatzes, der in einem bestimmten Zeitraum verloren geht. Sie ist die wichtigste Warnkennzahl im SaaS, denn hohe Abwanderung untergräbt Wachstum: Ein SaaS mit hoher Churn füllt ein leckes Fass und muss ständig neue Kunden gewinnen, nur um die Position zu halten.
Net Revenue Retention (NRR, Netto-Umsatzbindung) misst, wie sich der wiederkehrende Umsatz einer bestehenden Kundengruppe über einen Zeitraum entwickelt — inklusive Upgrades, Downgrades und Kündigungen, aber ohne Neukunden. Ein Wert über 100 Prozent bedeutet, dass die Bestandskunden netto wachsen, selbst wenn kein einziger neuer Kunde hinzukommt.
CAC (Customer Acquisition Cost, Kundenakquisitionskosten) sind die durchschnittlichen Gesamtkosten, die anfallen, um einen neuen Kunden zu gewinnen — inklusive Marketing- und Vertriebsausgaben. Der CAC zeigt, wie teuer Wachstum ist, und wird typischerweise ins Verhältnis zum Kundenwert gesetzt, um die Wirtschaftlichkeit eines SaaS zu beurteilen.
LTV (Customer Lifetime Value, Kundenlebenswert) ist der gesamte Umsatz oder Gewinn, den ein Kunde über die gesamte Dauer seiner Geschäftsbeziehung im Durchschnitt einbringt. Der LTV zeigt, wie wertvoll ein Kunde wirklich ist, und wird ins Verhältnis zu den Akquisitionskosten gesetzt, um die Wirtschaftlichkeit eines SaaS zu beurteilen.
ARR bezeichnet den auf ein Jahr hochgerechneten wiederkehrenden Umsatz aus laufenden Abonnements. Er zählt ausschliesslich verlässlich wiederkehrende Erlöse — einmalige Einnahmen wie Setup-Gebühren, Schulungen oder Projektarbeit gehören ausdrücklich nicht hinein, weil sie über die Verlässlichkeit der Erlösbasis nichts aussagen.
Die CAC-Payback-Zeit gibt an, wie lange es dauert, bis ein Kunde die Kosten seiner Gewinnung wieder eingespielt hat. Sie wird aus dem Deckungsbeitrag gerechnet, nicht aus dem Umsatz — und bestimmt, wie viel Kapital Wachstum bindet.
Freemium bezeichnet ein Preismodell mit einer dauerhaft kostenlosen Stufe und kostenpflichtigen Erweiterungen. Es funktioniert nur, wenn die kostenlose Stufe echten Nutzen stiftet und zugleich eine natürliche Grenze hat, die zum Wechsel führt.
Product-Market-Fit bezeichnet den Zustand, in dem ein Produkt einen Bedarf so gut trifft, dass Nachfrage und Bindung von selbst entstehen. Er ist kein Meilenstein mit Datum, sondern ein Zustand, der pro Segment gilt und wieder verloren gehen kann.
Dunning bezeichnet den automatisierten Ablauf nach einer fehlgeschlagenen Abo-Zahlung: erneute Abbuchungsversuche zu gestaffelten Zeitpunkten, begleitet von Benachrichtigungen an den Kunden. Es holt Umsatz zurück, der sonst als Kündigung erscheint, obwohl der Kunde gar nicht kündigen wollte.
Eine Kohortenanalyse gruppiert Nutzer nach ihrem Startzeitpunkt und verfolgt jede Gruppe über die Zeit. Sie zeigt, ob sich das Produkt verbessert — was ein Gesamtdurchschnitt systematisch verdeckt, weil Neuzugänge ihn nach oben ziehen.
Die QR-Rechnung ist der Schweizer Standard für Rechnungen mit Zahlteil. Ein Swiss QR Code enthält alle Zahlungsangaben strukturiert, sodass Zahlungen ohne Abtippen erfasst werden. Seit dem 30. September 2022 hat sie die orangen und roten Einzahlungsscheine vollständig ersetzt; die technischen Vorgaben stehen in den Swiss Payment Standards.
AI Engineering
LLMs & KI-Produkte
Ein LLM (Large Language Model, grosses Sprachmodell) ist ein KI-Modell, das auf riesigen Textmengen trainiert wurde, um menschliche Sprache zu verstehen und zu erzeugen. LLMs bilden die Grundlage moderner Chatbots, Textgeneratoren und vieler KI-Funktionen in Software und können vielfältige sprachbezogene Aufgaben erfüllen.
RAG (Retrieval-Augmented Generation) ist eine Technik, die ein Sprachmodell mit einer externen Wissensquelle verbindet: Vor der Antwort werden relevante Informationen aus einer Datenbank abgerufen und dem Modell als Kontext mitgegeben. RAG macht KI-Antworten faktentreuer, aktueller und auf eigene Daten beziehbar — und reduziert Halluzinationen.
Prompt Engineering ist das gezielte Formulieren und Strukturieren von Eingaben an ein Sprachmodell, um verlässlichere Ergebnisse zu erhalten. Es umfasst klare Aufgabenstellung, Kontext, Beispiele und Formatvorgaben — und ist in Produktivsystemen eher Softwareentwicklung als Textarbeit.
Ein Embedding ist die Darstellung eines Textes, Bildes oder anderen Inhalts als Zahlenvektor, in dem inhaltlich ähnliche Dinge nahe beieinander liegen. Damit lässt sich Ähnlichkeit rechnerisch bestimmen — die Grundlage semantischer Suche und von RAG.
Eine Vektordatenbank speichert Embeddings und findet zu einer Anfrage die ähnlichsten Einträge. Sie ist auf Ähnlichkeitssuche in hochdimensionalen Räumen optimiert — eine Aufgabe, für die klassische Indizes nicht gebaut sind.
Als Halluzination bezeichnet man eine Ausgabe eines Sprachmodells, die plausibel formuliert, aber sachlich falsch oder erfunden ist. Sie entsteht nicht aus einem Fehler, sondern aus der Funktionsweise: Das Modell erzeugt wahrscheinlichen Text, nicht überprüfte Aussagen.
Das Kontextfenster ist die maximale Textmenge, die ein Sprachmodell in einer Anfrage verarbeiten kann — Eingabe und Ausgabe zusammen. Sie wird in Tokens gemessen und begrenzt, wie viel Kontext einem Modell gleichzeitig zur Verfügung steht.
Fine-Tuning ist das Nachtrainieren eines vortrainierten Modells auf eigenen Beispieldaten, um Verhalten, Stil oder Format zuverlässiger zu machen. Es eignet sich, um Form beizubringen — nicht, um Wissen aktuell zu halten.
Ein KI-Agent ist ein System, das ein Sprachmodell mit Werkzeugen verbindet und mehrschrittig auf ein Ziel hinarbeitet — es plant, ruft Funktionen auf, wertet Ergebnisse aus und entscheidet über den nächsten Schritt, statt nur zu antworten.
LLM-Evaluation ist das systematische Prüfen der Ausgaben eines Sprachmodells gegen definierte Erwartungen. Sie ersetzt das Bauchgefühl durch eine wiederholbare Messung und ist die Voraussetzung dafür, Änderungen an einem KI-System überhaupt beurteilen zu können.
Prompt Injection ist ein Angriff auf LLM-Anwendungen, bei dem eingeschleuste Anweisungen das Modell dazu bringen, seine eigentlichen Vorgaben zu ignorieren — direkt über die Eingabe des Nutzers oder indirekt über Inhalte wie Webseiten, Dokumente oder E-Mails, die das Modell verarbeitet. Die OWASP führt sie als wichtigstes Risiko für LLM-Anwendungen.
Guardrails sind Kontrollschichten um ein Sprachmodell, die Eingaben und Ausgaben prüfen und Verhalten begrenzen: etwa Themenfilter, Prüfungen auf personenbezogene Daten, Schema-Validierung, Faktenabgleich mit Quellen oder Freigaben vor Aktionen. Sie machen LLM-Funktionen vorhersehbarer, ersetzen aber keine sichere Architektur und keine Evaluation.
Tool-Calling, auch Function Calling, ist die Fähigkeit eines Sprachmodells, anhand beschriebener Werkzeuge strukturierte Aufrufe zu erzeugen — etwa eine Datenbankabfrage, eine Suche oder eine API-Aktion —, die die Anwendung ausführt und deren Ergebnis zurück an das Modell geht. Es ist die technische Grundlage für KI-Agenten.
Das Model Context Protocol, kurz MCP, ist ein offener Standard, mit dem KI-Anwendungen einheitlich auf externe Werkzeuge, Daten und Vorlagen zugreifen. Ein MCP-Server stellt Funktionen eines Systems bereit, ein MCP-Client in der KI-Anwendung nutzt sie. Anthropic hat das Protokoll Ende 2024 veröffentlicht; inzwischen unterstützen es zahlreiche Anbieter.
Chunking ist das Zerlegen von Dokumenten in kleinere Abschnitte, bevor sie für ein RAG-System eingebettet und indexiert werden. Die Grösse und Logik der Abschnitte bestimmt, ob die Suche die richtige Passage findet und ob das Sprachmodell genug Kontext für eine korrekte Antwort erhält. Schlechtes Chunking ist eine der häufigsten Ursachen schwacher RAG-Qualität.
Ein Token ist die Einheit, in der Sprachmodelle Text verarbeiten: ein Wort, ein Wortteil, ein Satzzeichen oder ein Leerzeichen-Fragment. Kontextfenster, Ausgabelänge, Latenz und Kosten von LLM-APIs werden in Tokens gemessen, getrennt nach Eingabe- und Ausgabe-Tokens. Deutsche Texte brauchen in vielen Tokenizern mehr Tokens als englische gleichen Inhalts.
SEO
Organisches Wachstum
Topische Autorität (Topical Authority) ist das Mass, in dem eine Website von Suchmaschinen als massgebliche Quelle für ein ganzes Themenfeld erkannt wird. Sie entsteht durch umfassende, tief vernetzte Inhalte zu einem Thema und führt dazu, dass eine Domain für hunderte verwandter Suchanfragen rankt, nicht nur für einzelne Keywords.
Programmatisches SEO (Programmatic SEO) ist die automatisierte Erstellung vieler ähnlich strukturierter, aber inhaltlich einzigartiger Seiten aus einer Datenquelle und Vorlagen. Es eignet sich, um systematisch grosse Mengen an Longtail-Suchanfragen abzudecken — etwa Seiten für jede Stadt, jedes Produkt oder jede Kombination zweier Begriffe.
Core Web Vitals sind eine Reihe von Kennzahlen, mit denen Google die Nutzererfahrung einer Webseite misst — insbesondere Ladegeschwindigkeit, Interaktivität und visuelle Stabilität. Sie sind ein Rankingfaktor und damit ein technisches Fundament des SEO: Eine Seite mit schlechten Core Web Vitals rankt schwerer, selbst bei gutem Inhalt.
Schema-Markup ist ein standardisiertes Vokabular strukturierter Daten, mit dem man den Inhalt einer Webseite für Suchmaschinen maschinenlesbar auszeichnet. Es hilft Suchmaschinen, den Inhalt präzise zu verstehen, und kann zu angereicherten Suchergebnissen wie Sternebewertungen, FAQ-Auszügen oder Veranstaltungsdaten führen.
E-E-A-T steht für Experience, Expertise, Authoritativeness und Trustworthiness — Erfahrung, Fachkompetenz, Autorität und Vertrauenswürdigkeit. Es ist ein Konzept aus Googles Qualitätsrichtlinien, das beschreibt, woran Google die Qualität und Glaubwürdigkeit von Inhalten und ihren Urhebern bemisst, besonders bei sensiblen Themen.
hreflang ist eine Auszeichnung, mit der eine Website Suchmaschinen mitteilt, welche Sprach- oder Länderversionen einer Seite existieren. Sie verhindert, dass Sprachvarianten als Duplikate gewertet werden, und steuert, welche Version welchem Publikum ausgeliefert wird.
Ein Canonical-Tag benennt die massgebliche URL einer Seite. Er bündelt die Ranking-Signale, wenn derselbe Inhalt unter mehreren Adressen erreichbar ist, und verhindert, dass eine Suchmaschine die falsche Variante indexiert oder mehrere Varianten als Duplikate gegeneinander stellt.
Crawl-Budget bezeichnet den Umfang, in dem eine Suchmaschine eine Website in einem Zeitraum abruft. Es wird erst bei grossen Seiten zum Engpass — und dann meist nicht wegen der Menge, sondern weil es an wertlose URLs verschwendet wird.
GEO bezeichnet die Optimierung von Inhalten darauf, in den Antworten von KI-Systemen zitiert zu werden. Anders als klassisches SEO zielt es nicht auf einen Listenplatz, sondern darauf, als Quelle einer generierten Antwort verwendet zu werden.
llms.txt ist eine Textdatei im Wurzelverzeichnis einer Website, die KI-Systemen eine geordnete Übersicht der wichtigsten Inhalte bietet. Sie ist ein sich entwickelnder Vorschlag, keine verbindliche Norm — und ergänzt robots.txt und Sitemap, statt sie zu ersetzen.
Interne Verlinkung bezeichnet die Links zwischen den Seiten derselben Website. Sie bestimmt, welche Seiten gefunden werden, wie Autorität sich verteilt und welchen thematischen Zusammenhang Suchmaschinen erkennen — und ist der am stärksten unterschätzte SEO-Hebel.
Suchintention bezeichnet das Ziel hinter einer Suchanfrage: Will jemand etwas wissen, eine bestimmte Seite ansteuern, sich vor einem Kauf orientieren oder direkt handeln? Wer die falsche Intention bedient, rankt auch mit gutem Inhalt nicht.
AI Overviews sind KI-generierte Zusammenfassungen, die Google bei bestimmten Suchanfragen über den klassischen Ergebnissen anzeigt, mit Links zu den Quellen, auf denen die Antwort beruht. Für Websites verschieben sie die Frage von „Rang eins“ zu „als Quelle zitiert“. Voraussetzung für eine Nennung ist laut Google, dass eine Seite indexiert und für Snippets zugelassen ist.
Indexierung ist der Schritt, in dem eine Suchmaschine eine gecrawlte Seite verarbeitet und in ihren Index aufnimmt, aus dem Suchergebnisse erzeugt werden. Nur indexierte Seiten können ranken oder in KI-Antworten wie AI Overviews zitiert werden. Gecrawlt heisst nicht indexiert: Google entscheidet pro URL, ob sie aufgenommen wird.
Eine Zero-Click-Suche ist eine Suchanfrage, die direkt auf der Ergebnisseite beantwortet wird, sodass der Nutzer keine Website anklickt — etwa durch Featured Snippets, Wissensboxen, Karten oder KI-Zusammenfassungen. Für Unternehmen verschiebt sie den Wert von Sichtbarkeit: Präsenz und Nennung werden wichtiger, reine Klickzahlen weniger aussagekräftig.
IndexNow ist ein offenes Protokoll, mit dem Websites Suchmaschinen aktiv über neue, geänderte oder gelöschte URLs informieren, statt auf den nächsten Crawl zu warten. Es wurde 2021 von Microsoft Bing und Yandex eingeführt und wird von mehreren Suchmaschinen unterstützt. Google nutzt IndexNow bislang nicht; dort bleiben Sitemap und Search Console der Weg.
Entitäten-SEO ist die Optimierung darauf, dass Suchmaschinen und Sprachmodelle ein Unternehmen, eine Person oder ein Produkt als eindeutige Entität erkennen und korrekt mit Themen, Orten und anderen Entitäten verknüpfen. Mittel sind konsistente Angaben, strukturierte Daten mit eindeutigen Kennungen, Verweise auf offizielle Profile und thematisch klare Inhalte.
KI-Crawler sind Bots von KI-Anbietern, die Webseiten abrufen — für das Training von Modellen, für Suchindizes von KI-Assistenten oder für Abrufe im Auftrag eines Nutzers. Bekannte Beispiele sind GPTBot und OAI-SearchBot von OpenAI, ClaudeBot von Anthropic, PerplexityBot und CCBot. Gesteuert werden sie über robots.txt, getrennt nach Zweck.
Eine XML-Sitemap ist eine maschinenlesbare Liste der URLs einer Website, die Suchmaschinen beim Entdecken und Crawlen hilft. Eine einzelne Sitemap darf höchstens 50 000 URLs oder 50 MB unkomprimiert enthalten; grössere Websites verwenden einen Sitemap-Index. Sie sollte nur indexierbare, kanonische URLs mit korrektem Änderungsdatum enthalten.
Die robots.txt ist eine Textdatei im Stammverzeichnis einer Website, die Crawlern mitteilt, welche Bereiche sie abrufen dürfen. Sie steuert das Crawling, nicht die Indexierung: Eine gesperrte URL kann trotzdem im Index erscheinen, wenn sie verlinkt ist. Das Protokoll ist seit 2022 als RFC 9309 standardisiert.
NAP steht für Name, Adresse und Telefonnummer eines Unternehmens. NAP-Konsistenz bedeutet, dass diese Angaben auf der eigenen Website, im Google-Unternehmensprofil, in Verzeichnissen wie local.ch und search.ch und in strukturierten Daten überall identisch sind. Einheitliche Angaben helfen Suchmaschinen, ein Unternehmen eindeutig zu erkennen und lokal anzuzeigen.
Das Google-Unternehmensprofil, früher Google My Business, ist der kostenlose Eintrag eines Unternehmens in Google Maps und der lokalen Suche. Es zeigt Name, Adresse, Öffnungszeiten, Kategorie, Fotos und Bewertungen. Für lokale Suchanfragen ist ein vollständiges, verifiziertes und korrektes Profil einer der wichtigsten Faktoren.
Projektmanagement
Methoden & Frameworks
HERMES 2022 ist die aktuelle Version der Schweizer Projektmanagement-Methode HERMES, die ursprünglich von der Bundesverwaltung entwickelt wurde. Sie ist offener Standard, kostenlos verfügbar und im öffentlichen Sektor der Schweiz weit verbreitet. HERMES strukturiert Projekte über Phasen, Module, Rollen und Ergebnisse und ist mit agilen Vorgehen kombinierbar.
Scrum ist ein agiles Rahmenwerk für die Zusammenarbeit in Teams, das komplexe Vorhaben in kurze, feste Zeitabschnitte (Sprints) gliedert. Es definiert klare Rollen, Ereignisse und Artefakte und setzt auf iterative Lieferung, Selbstorganisation und kontinuierliche Verbesserung. Scrum ist das verbreitetste agile Rahmenwerk weltweit.
Kanban ist eine Methode zur Steuerung von Arbeit, die den Arbeitsfluss visualisiert — typischerweise über ein Board mit Spalten — und die Menge gleichzeitig laufender Aufgaben begrenzt. Ziel ist ein gleichmässiger, störungsfreier Fluss der Arbeit. Kanban ist evolutionär, lässt sich auf bestehende Prozesse aufsetzen und gut mit anderen Methoden kombinieren.
OKR (Objectives and Key Results) ist ein Rahmenwerk zur Zielsetzung, das ein qualitatives, inspirierendes Ziel (Objective) mit mehreren messbaren Ergebnissen (Key Results) verbindet, an denen sich der Fortschritt ablesen lässt. OKR schafft Fokus und Ausrichtung, indem es Ziele transparent macht und mit konkreten, messbaren Resultaten verknüpft.
PSA (Professional Services Automation) bezeichnet Software, die die Kernabläufe dienstleistungsorientierter Unternehmen integriert — Projektmanagement, Zeiterfassung, Ressourcenplanung und Abrechnung in einem System. PSA schliesst die Lücke zwischen Projektarbeit und Finanzen und hilft besonders Agenturen und Beratungen, abrechenbare Zeit nicht zu verlieren.
Stakeholder-Management bezeichnet das systematische Erfassen, Einordnen und Einbinden aller Personen und Gruppen, die ein Projekt beeinflussen oder von ihm betroffen sind. Es ist die häufigste Ursache für Projektabbrüche, wenn es fehlt.
Ein Risikoregister ist die dokumentierte Sammlung erkannter Projektrisiken mit Bewertung, Massnahme und benannter verantwortlicher Person. Sein Nutzen liegt nicht in der Liste, sondern darin, dass die Einträge regelmässig überprüft werden.
Die Definition of Done ist eine gemeinsam vereinbarte Liste von Bedingungen, die eine Arbeit erfüllen muss, um als abgeschlossen zu gelten. Sie beseitigt die häufigste Reibung in Teams: dass fertig für verschiedene Personen Verschiedenes bedeutet.
Ein Meilenstein ist ein definierter Punkt im Projektverlauf, an dem ein überprüfbarer Zustand erreicht sein muss. Er hat keine Dauer und keinen Aufwand — sein Zweck ist die Entscheidung darüber, ob das Projekt so weitergeführt wird.
Eine User Story beschreibt eine Anforderung aus Sicht der Person, die einen Nutzen davon hat, meist im Muster „Als Rolle möchte ich Ziel, damit Nutzen“. Akzeptanzkriterien legen fest, wann die Story erfüllt ist, und machen sie prüfbar. Zusammen sind sie das Arbeitsmittel agiler Teams, um Anforderungen klein, verständlich und testbar zu halten.
Requirements Engineering ist die systematische Disziplin, Anforderungen an ein System zu ermitteln, zu dokumentieren, zu prüfen und über den Projektverlauf zu verwalten. Es verbindet die Sicht von Fachbereich, Nutzern und Technik und reduziert das häufigste Projektrisiko: ein System zu bauen, das korrekt funktioniert, aber das Falsche tut. Ein verbreiteter Standard ist das IREB-Zertifikat CPRE.
Eine RACI-Matrix ordnet für jede Aufgabe oder Entscheidung fest, wer verantwortlich ausführt (Responsible), wer rechenschaftspflichtig entscheidet (Accountable), wer konsultiert wird (Consulted) und wer informiert wird (Informed). Sie macht Zuständigkeiten in Projekten und Prozessen sichtbar und verhindert, dass Aufgaben zwischen Rollen verloren gehen.
Ein Change Request ist ein formaler Antrag, den vereinbarten Umfang, Termin oder Inhalt eines Projekts zu ändern. Er beschreibt die gewünschte Änderung, ihre Begründung und ihre Auswirkungen auf Kosten, Zeit, Qualität und Risiken und wird von einer berechtigten Stelle entschieden. So bleibt ein Projekt steuerbar, auch wenn sich Anforderungen ändern.
Vom Begriff zur Umsetzung
Wir erklären nicht nur — wir setzen um. Von EU-AI-Act-Compliance bis SaaS-Entwicklung.
