KI-Schulung: eigene Inhouse-Unterweisung oder externes Zertifikat
Aktualisiert: 2026-09
Eine Inhouse-Unterweisung ist billiger, näher an Ihren Prozessen und schnell aufgesetzt. Ein externes Zertifikat ist teurer, dafür unabhängig belegbar und personengebunden. Für die KI-Kompetenz nach Artikel 4 zählt beides — Inhouse für die Anwendungsnähe, extern für die Nachweisbarkeit gegenüber Dritten.
Artikel 4 des EU AI Act verlangt ein ausreichendes Mass an KI-Kompetenz beim eigenen Personal, schreibt aber kein Format vor. Das führt zu einer echten Entscheidung: selbst schulen oder extern zertifizieren lassen.
Die Antwort fällt je nach Rolle unterschiedlich aus. Wer ein Sprachmodell für Textentwürfe nutzt, braucht etwas anderes als wer ein System betreibt, das unter Anhang III fallen könnte.
| Kriterium | Innopulse | Alternative |
|---|---|---|
| Nähe zu Ihren konkreten Systemen | Allgemein gehalten. Die Systematik ist übertragbar, die Anwendung auf Ihre konkreten Tools bleibt Ihre Aufgabe. | Hoch. Sie schulen an genau den Systemen, die im Haus im Einsatz sind, mit Ihren eigenen Beispielen. |
| Unabhängige Belegbarkeit | Personengebundenes, verifizierbares Zertifikat eines Dritten. | Beruht auf Ihrer eigenen Dokumentation. Belastbar nur, wenn Teilnahme, Inhalt und Datum sauber protokolliert sind. |
| Direkte Kosten | Kursgebühr pro Person. | Keine externe Gebühr, dafür interne Arbeitszeit für Konzeption, Durchführung und Aktualisierung. |
| Aktualität bei Rechtsänderungen | Wird zentral nachgeführt. | Muss von Ihnen selbst nachgeführt werden — erfahrungsgemäss der Punkt, an dem interne Programme veralten. |
| Mobilität für Mitarbeitende | Das Zertifikat bleibt bei der Person und ist ausserhalb Ihres Unternehmens verwertbar. | Der Nachweis bleibt beim Unternehmen und lässt sich extern kaum belegen. |
Wann eine Alternative besser passt
Wenn Ihre KI-Nutzung eng begrenzt ist — etwa ein einziges Werkzeug für einen klar umrissenen Zweck —, ist eine gut dokumentierte interne Unterweisung völlig ausreichend und verhältnismässig.
Wenn Sie bereits ein funktionierendes Schulungswesen mit Teilnahmeprotokollen und Wiederholungszyklen betreiben, ist der zusätzliche Nutzen eines externen Zertifikats gering. Ergänzen Sie das Bestehende um die AI-Act-Inhalte, statt daneben etwas Neues aufzubauen.
Wenn Ihre Systeme in stark regulierten Bereichen laufen, in denen eine Aufsichtsbehörde ohnehin fachspezifische Nachweise verlangt, ist eine branchenspezifische Schulung dem allgemeinen Zertifikat vorzuziehen.
Häufige Fragen
Müssen alle Mitarbeitenden geschult werden?
Artikel 4 stellt auf ein ausreichendes Mass ab, das sich nach Rolle, Kontext und den betroffenen Personen richtet. Wer KI-Systeme auswählt oder betreibt, braucht mehr als wer sie gelegentlich für interne Texte nutzt.
Wie oft muss eine Schulung wiederholt werden?
Der Rechtsakt nennt keinen Turnus. Praktikabel ist eine Auffrischung, wenn sich Ihr Systemeinsatz wesentlich ändert oder neue Leitlinien erscheinen — und eine Erstschulung für jede neu eintretende Person.
Reicht ein Zertifikat für die gesamte Compliance?
Nein. Die KI-Kompetenz ist eine Pflicht neben Klassifizierung, Dokumentation und je nach Einstufung weiteren Anforderungen. Sie ersetzt weder ein Systeminventar noch die Risikoeinstufung.
Innopulse Academy
Ein externes Zertifikat entkoppelt den Nachweis von Ihrer internen Dokumentationsdisziplin. In der Praxis scheitert der Beleg selten am Inhalt der Schulung, sondern daran, dass niemand festgehalten hat, wer wann teilgenommen hat.
Beide Wege schliessen sich nicht aus. Ein sinnvolles Vorgehen ist oft: externes Zertifikat für die Rollen mit Verantwortung für KI-Systeme, interne Unterweisung für die breite Anwenderschaft.
