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Innopulse Consulting
Öffentliche Beschaffung

Was ist das offene Verfahren im Beschaffungswesen?

Kurzdefinition

Im offenen Verfahren wird ein Auftrag öffentlich ausgeschrieben und jedes interessierte Unternehmen darf direkt ein Angebot einreichen. Es ist die zugänglichste Verfahrensart und wird oberhalb der massgeblichen Schwellenwerte in der Regel verlangt.

Das offene Verfahren ist die zugänglichste Art, einen öffentlichen Auftrag zu vergeben. Der Auftrag wird publiziert, und jedes interessierte Unternehmen darf ohne vorgeschaltete Auswahl ein Angebot einreichen. Oberhalb der massgeblichen Schwellenwerte ist es in der Regel die vorgeschriebene Verfahrensart, weshalb es den grössten Teil der grösseren publizierten Vergaben ausmacht.

Der Ablauf

Das Verfahren beginnt mit der Publikation der Ausschreibung samt Unterlagen. Danach folgt in der Regel eine Frage- und Antwortphase, in der Anbieter Unklarheiten in den Unterlagen ansprechen können; die Antworten werden allen Anbietern zugänglich gemacht, was dem Gleichbehandlungsgrundsatz entspricht. Anschliessend reichen die Anbieter ihre Angebote bis zur Frist ein. Die Vergabestelle prüft zuerst die formale Vollständigkeit und die Eignung, danach bewertet sie die verbliebenen Angebote anhand der Zuschlagskriterien. Am Ende steht die Zuschlagsverfügung, die publiziert und den Anbietern eröffnet wird.

Die zwei Prüfstufen

Für Anbieter ist die Trennung zwischen den beiden Prüfstufen zentral, weil sie unterschiedlicher Natur sind. Die Eignungsprüfung ist eine Ja-Nein-Entscheidung: Erfüllt das Unternehmen die verlangten Voraussetzungen — Referenzen, Nachweise, technische und finanzielle Leistungsfähigkeit — oder nicht. Wer sie nicht besteht, scheidet aus, unabhängig davon, wie gut sein Angebot inhaltlich wäre. Erst danach folgt die Bewertung anhand der Zuschlagskriterien, wo Preis und Qualität gegeneinander gewichtet werden. Ein grosser Teil der ausgeschiedenen Angebote scheitert an der ersten Stufe, und zwar meist nicht an fehlender Leistungsfähigkeit, sondern an fehlenden oder abgelaufenen Nachweisen.

Abgrenzung zum selektiven Verfahren

Der Unterschied zum selektiven Verfahren liegt im Zeitpunkt der Auswahl. Im offenen Verfahren reichen alle Interessierten direkt ein Angebot ein. Im selektiven Verfahren gibt es zuerst eine Bewerbungsphase — die Präqualifikation —, aus der die Vergabestelle die Anbieter auswählt, die anschliessend zur Angebotsabgabe eingeladen werden. Für Anbieter hat das eine wichtige praktische Folge: Beim selektiven Verfahren gibt es eine frühe, eigene Frist, die deutlich vor der Angebotsfrist liegt. Wer sie verpasst, kann nicht mehr teilnehmen, egal wie gut sein Angebot geworden wäre.

Die Bedeutung der Fragerunde

Die Frage- und Antwortphase wird von Anbietern häufig ungenutzt gelassen, obwohl sie das einzige formalisierte Instrument ist, um Unklarheiten vor der Kalkulation zu beseitigen. Unklar formulierte Positionen in einem Leistungsverzeichnis, widersprüchliche Angaben zwischen Dokumenten oder mehrdeutige Eignungsanforderungen lassen sich hier klären. Voraussetzung ist, dass diese Punkte früh gefunden werden — was bedeutet, dass die Unterlagen unmittelbar nach der Publikation durchgearbeitet werden müssen und nicht erst in der Woche vor der Frist.

Häufige Fehlerquellen

Die verbreitetsten Fehler im offenen Verfahren sind formaler Natur. Ein fehlendes Formular, ein nicht unterzeichnetes Dokument, ein abgelaufener Nachweis, eine überschrittene Frist oder ein nicht eingehaltenes Abgabeformat führen zum Ausschluss, bevor der Inhalt bewertet wird. Diese Fehler entstehen selten aus Unkenntnis, sondern aus Zeitdruck am Ende der Frist. Das wirksamste Gegenmittel ist deshalb kein grösserer Aufwand, sondern eine frühere Bearbeitung: Wer die Anforderungsliste unmittelbar nach der Publikation erstellt, hat sie am Ende nur noch abzuhaken.

Was das offene Verfahren für Anbieter bedeutet

Das offene Verfahren ist Chance und Belastung zugleich. Chance, weil der Zugang formal jedem qualifizierten Unternehmen offensteht, unabhängig von bestehenden Beziehungen zur Vergabestelle. Belastung, weil das Wettbewerbsfeld breit ist und der formale Aufwand hoch. Daraus folgt, dass die Auswahl der Verfahren, an denen man teilnimmt, wirtschaftlich wichtiger ist als die Perfektion des einzelnen Angebots. Wer bei jeder passenden Publikation mitbietet, verbraucht Kapazität; wer anhand der eigenen Zuschlagshistorie auswählt, setzt sie gezielter ein.

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