simap.ch ist das Informationssystem über das öffentliche Beschaffungswesen in der Schweiz und die zentrale Plattform, auf der öffentliche Auftraggeber ihre Ausschreibungen publizieren. Sie wird gemeinsam von Bund und Kantonen getragen, was bedeutet, dass Vergaben beider Ebenen an einem Ort auffindbar sind. Für Unternehmen, die an die öffentliche Hand verkaufen, ist simap damit der Eingangspunkt zum Markt.
Was dort publiziert wird
Auf simap erscheinen die Ausschreibungen selbst mit den zugehörigen Unterlagen, dazu Vorankündigungen, Berichtigungen und Fristverlängerungen sowie — und das wird häufig übersehen — die erteilten Zuschläge. Eine Publikation enthält typischerweise die Vergabestelle, den Kanton, die Auftragsart, die Verfahrensart, die Fristen und die Ausschreibungsunterlagen zum Bezug. Bei Zuschlagspublikationen wird bekanntgegeben, wer den Auftrag erhalten hat. Diese Zuschlagsdaten sind über die Zeit eine der aussagekräftigsten öffentlich verfügbaren Informationsquellen über den Schweizer Beschaffungsmarkt.
Warum die Zuschlagspublikationen unterschätzt werden
Die meisten Anbieter nutzen simap ausschliesslich zur Suche nach neuen Ausschreibungen und ignorieren die Zuschlagsseite vollständig. Dabei beantworten die publizierten Zuschläge über einige Monate hinweg Fragen, die sonst reine Spekulation bleiben: Welche Anbieter gewinnen bei welcher Vergabestelle regelmässig? In welchen Grössenordnungen wird in meinem Segment vergeben? Wie viele Anbieter treten typischerweise an? Wer diese Daten systematisch auswertet, trifft den Go/No-Go-Entscheid auf einer belastbaren Grundlage statt aus dem Bauchgefühl — und das ist wirtschaftlich der wichtigste Entscheid im ganzen Prozess.
Die Grenzen der Suche
simap ist eine Publikationsplattform, keine Rechercheumgebung. Die Suche arbeitet mit Stichworten und Kategorien, und genau daran scheitert sie in der Praxis regelmässig: Vergabestellen benennen dieselbe Leistung sehr unterschiedlich. Ein IT-Dienstleister, der nach Softwareentwicklung sucht, findet das Verfahren nicht, das als Fachanwendungsvorhaben oder Applikationsbetreuung ausgeschrieben ist. Ein Bauunternehmen verpasst ein Los, weil es unter einer Gewerkebezeichnung läuft, die im eigenen Sprachgebrauch nicht vorkommt. Das ist kein Mangel der Plattform, sondern eine Folge davon, dass die Vergabestelle in ihrer eigenen Fachsprache publiziert.
Die Sprachfrage
Publiziert wird in der Amtssprache der jeweiligen Vergabestelle. Eine Ausschreibung aus dem Kanton Waadt erscheint auf Französisch, eine aus dem Tessin auf Italienisch. Wer seine Suche und seine Bearbeitung auf Deutsch beschränkt, schliesst damit einen erheblichen Teil des Schweizer Beschaffungsmarkts aus — nicht weil der Zugang verwehrt wäre, sondern aus einer Selbstbeschränkung heraus. Für Anbieter, deren Leistung sich sprachunabhängig erbringen lässt, ist das eine der einfachsten Möglichkeiten, das eigene Marktfeld zu vergrössern.
Verhältnis zu Drittanbietern
Rund um simap existieren Dienste, die Publikationen aufbereiten, überwachen oder weiterverarbeiten. Dabei ist ein Unterschied wesentlich: Manche greifen publizierte Seiten ab, andere nutzen einen offiziellen Zugang zur simap-Schnittstelle. Der offizielle Zugang liefert strukturierte, vollständige Daten ohne Verzögerung, während ein Abgriff bricht, sobald sich eine Seite ändert. Unabhängig davon gilt in jedem Fall: Massgebend für ein konkretes Angebot sind immer die offiziellen Unterlagen der Vergabestelle, nicht die Aufbereitung eines Drittanbieters.
Wie man simap systematisch nutzt
Aus den genannten Punkten folgt eine einfache Arbeitsweise. Erstens: das Suchfeld über die eigenen Fachbegriffe hinaus denken und mit den Formulierungen der Vergabestellen arbeiten. Zweitens: nicht nur Ausschreibungen, sondern auch Zuschläge im eigenen Segment verfolgen. Drittens: die Sprachgrenze bewusst überschreiten, wenn die Leistung es zulässt. Viertens: die Kontrolle nicht von der Disziplin einer Person abhängig machen — Fristen im Beschaffungswesen sind hart, und eine verpasste Publikation ist nicht nachholbar. Wer diese vier Punkte umsetzt, holt aus einer kostenlosen öffentlichen Plattform deutlich mehr heraus als der Durchschnitt der Anbieter.
