Ein SaaS-Produkt für die Schweiz und die EU braucht Preise in Franken und Euro. Das klingt nach einer technischen Kleinigkeit und ist doch eine der Entscheidungen, an denen Kunden die Seriosität eines Anbieters messen. Dieser Beitrag beschreibt die Muster, die wir in eigenen Produkten einsetzen, und die steuerlichen und rechtlichen Punkte, die dabei mitlaufen. Konkrete Preisempfehlungen gibt er bewusst nicht: Die richtige Höhe hängt vom Wert für den Kunden ab, nicht von einer Tabelle.
Feste Preise pro Währung
Die einfachste Lösung — einen Preis in Euro festlegen und für Schweizer Kunden umrechnen — ist die schlechteste. Umgerechnete Preise sehen krumm aus, schwanken mit dem Wechselkurs und signalisieren, dass der Schweizer Markt eine Nebensache ist. Besser sind feste Preise pro Währung, bewusst gesetzt und auf runde, vertraute Beträge gerundet. So handhaben wir es etwa bei FLIORE, dessen Pläne in CHF, EUR und USD jeweils fix ausgewiesen sind, ohne Umrechnung beim Bezahlen. Die Preise müssen nicht dem Tageskurs entsprechen; sie müssen in sich stimmig sein und eine Änderung nur bei bewusster Entscheidung erfahren.
Brutto oder netto
Für Konsumenten müssen Preise in der Schweiz wie in der EU inklusive Mehrwertsteuer angegeben werden. Für Geschäftskunden ist die Nettoangabe üblich, solange klar gekennzeichnet ist, dass die Mehrwertsteuer hinzukommt. Ein Produkt, das beide Zielgruppen anspricht, sollte die Darstellung an der Zielgruppe ausrichten oder beides zeigen. Unklare Angaben, bei denen der Kunde erst im Checkout erfährt, was er zahlt, kosten Vertrauen und Abschlüsse.
Mehrwertsteuer in der Schweiz
Der Normalsatz der Schweizer Mehrwertsteuer beträgt seit dem 1. Januar 2024 8,1 Prozent. Steuerpflichtig wird ein Unternehmen ab einem weltweiten Umsatz von 100 000 Franken aus steuerbaren Leistungen. Ausländische Anbieter elektronischer Dienstleistungen an Schweizer Konsumenten werden ab dieser Umsatzschwelle in der Schweiz steuerpflichtig, unabhängig davon, wie viel davon in der Schweiz anfällt. Für Rechnungen an Schweizer Kunden gehört eine korrekte QR-Rechnung dazu, wenn nicht per Karte bezahlt wird.
Mehrwertsteuer in der EU
Verkauft ein Schweizer Anbieter digitale Dienstleistungen an Konsumenten in der EU, gilt grundsätzlich die Mehrwertsteuer des Mitgliedstaats, in dem der Kunde ansässig ist — in Deutschland derzeit 19 Prozent, in Österreich 20 Prozent. Statt sich in jedem Land zu registrieren, können Anbieter aus Drittstaaten das besondere Verfahren des One-Stop-Shop für Nicht-EU-Unternehmen nutzen und alle Umsätze über einen Mitgliedstaat erklären. Bei Geschäftskunden in der EU mit gültiger Umsatzsteuer-Identifikationsnummer geht die Steuerschuld in der Regel auf den Kunden über. Das System muss deshalb wissen, ob ein Kunde Unternehmen oder Konsument ist und in welchem Land er sitzt.
Abrechnung technisch umsetzen
Zahlungsplattformen wie Stripe erlauben Preise pro Währung für dasselbe Produkt, Steuerberechnung nach Kundenstandort und die Prüfung von Umsatzsteuer-Identifikationsnummern. Wichtig ist, die Währung beim Kunden festzuhalten, damit Upgrades und Verlängerungen in derselben Währung laufen, und Steuerangaben auf Rechnungen korrekt auszuweisen. Für Schweizer Firmenkunden, die per Rechnung zahlen wollen, braucht es zusätzlich einen Weg zur QR-Rechnung. Den Aufbau beschreibt unser Angebot zur Stripe-Billing-Integration für den DACH-Raum.
Was Kunden erwarten
- Preise in ihrer Währung, ohne Umrechnungsgebühren beim Bezahlen.
- Eine klare Angabe, ob die Mehrwertsteuer enthalten ist.
- Eine verständliche Preismetrik, etwa pro Arbeitsplatz, pro Mandant oder pro Nutzung, die mit dem Nutzen wächst.
- Einen Jahresplan mit nachvollziehbarem Vorteil gegenüber monatlicher Zahlung.
- Die Möglichkeit, ohne Gespräch mit dem Vertrieb zu starten, wenn das Produkt dafür geeignet ist.
Preise und Bindung
Preise wirken nicht nur beim Abschluss, sondern auf die gesamte Kundenbeziehung. Eine Preismetrik, die mit dem Kunden mitwächst, ermöglicht Erweiterungsumsatz statt Kündigungen; Preiserhöhungen ohne Vorankündigung erzeugen Abwanderung. Wie Preise und Bindung zusammenhängen, beschreibt der Beitrag zur Kundenbindung im SaaS; die rechtlichen Punkte der Expansion der Beitrag zur SaaS-Internationalisierung im DACH-Raum. Steuerliche Fragen im Einzelfall gehören zu einer Treuhand- oder Steuerberatung.

