Cloud-Migration vorbereiten: die Fragen vor dem ersten Verschieben
Für: IT-Leitung in KMU
Aktualisiert: 2026-09
Eine Cloud-Migration scheitert selten an der Technik, sondern an mangelnder Vorbereitung: unbekannte Abhängigkeiten, ungeklärte Datenklassifizierung, ein Kostenmodell das erst nach dem Umzug sichtbar wird, und fehlende Abnahmekriterien, an denen sich Erfolg überhaupt messen liesse.
Der Umzug in die Cloud wird meist als technisches Vorhaben geplant und scheitert dann an nicht-technischen Fragen: Welche Systeme hängen eigentlich zusammen, welche Daten dürfen wohin, und woran erkennen wir, dass wir fertig sind.
Diese Liste betrifft die Vorbereitung, nicht die Durchführung. Sie ist auf mittelständische Verhältnisse zugeschnitten, in denen kein eigenes Cloud-Team existiert und die Migration neben dem Tagesgeschäft läuft.
Die Checkliste
- 01
Bestand und Abhängigkeiten erfassen
Nicht nur die Systeme auflisten, sondern die Verbindungen zwischen ihnen. Geplante Migrationen scheitern regelmässig an einer Schnittstelle, von der niemand mehr wusste.
Erledigt, wenn: Für jedes System ist benannt, wovon es abhängt und was von ihm abhängt — bestätigt von der jeweiligen Fachseite.
- 02
Daten klassifizieren
Bestimmen, welche Daten besonders schützenswert sind und welche Anforderungen an den Speicherort bestehen. Diese Frage entscheidet über die Wahl der Region und teilweise über den Anbieter.
Erledigt, wenn: Jeder Datenbestand ist einer Schutzklasse zugeordnet, und je Klasse ist die zulässige Region festgelegt.
- 03
Migrationsstrategie je System festlegen
Unverändert verschieben, anpassen oder neu bauen — die Entscheidung fällt pro System, nicht pauschal. Das unveränderte Verschieben ist am schnellsten und selten am günstigsten im Betrieb.
Erledigt, wenn: Für jedes System ist die Strategie samt Begründung vermerkt.
- 04
Kostenmodell vor dem Umzug durchrechnen
Cloud-Kosten entstehen anders als bei eigener Infrastruktur: Datenverkehr, Speicherklassen und Bereitstellungsvorgänge schlagen zu Buche. Eine Schätzung vor dem Umzug verhindert die häufigste böse Überraschung.
Erledigt, wenn: Es liegt eine Schätzung der monatlichen Betriebskosten vor, die Datenverkehr ausdrücklich enthält.
- 05
Rückweg festlegen
Für jedes System bestimmen, wie der Zustand vor der Migration wiederhergestellt wird, falls etwas grundlegend schiefgeht. Ohne Rückweg wird jede Störung zur Krise.
Erledigt, wenn: Der Rückweg ist beschrieben, und das Zeitfenster dafür ist benannt.
- 06
Abnahmekriterien vorher vereinbaren
Woran wird gemessen, dass die Migration erfolgreich war: Antwortzeiten, Verfügbarkeit, Vollständigkeit der Daten. Ohne vorher vereinbarte Kriterien wird die Abnahme zur Verhandlung.
Erledigt, wenn: Die Kriterien sind schriftlich vereinbart und vor der Migration am alten System gemessen.
- 07
Zugriffs- und Rechtekonzept neu denken
Gewachsene Rechtestrukturen sollten nicht unverändert übernommen werden. Die Migration ist der einzige realistische Zeitpunkt, an dem sich das ohne zusätzlichen Widerstand bereinigen lässt.
Erledigt, wenn: Das Rechtekonzept für die Zielumgebung ist beschrieben und weicht bewusst vom Altbestand ab.
- 08
Betrieb und Zuständigkeiten klären
Wer überwacht, wer reagiert bei Störungen, wer verantwortet Kosten. In der Cloud verschieben sich Zuständigkeiten, und die Lücken zeigen sich beim ersten Vorfall.
Erledigt, wenn: Für Überwachung, Störungsbehebung und Kostenverantwortung sind Personen namentlich benannt.
Häufige Fehler
- —Die Kosten werden anhand der Rechenleistung geschätzt, während Datenverkehr und Speicherklassen den grösseren Anteil ausmachen.
- —Alle Systeme werden unverändert verschoben, weil das am schnellsten geht. Die Betriebskosten steigen dadurch dauerhaft, ohne dass ein Vorteil entsteht.
- —Rechtestrukturen werden unverändert übernommen, inklusive der Konten von Personen, die seit Jahren nicht mehr im Unternehmen sind.
- —Abnahmekriterien werden erst nach der Migration formuliert, wenn bereits klar ist, was funktioniert und was nicht.
Was diese Checkliste nicht abdeckt
- —Diese Liste behandelt die Vorbereitung. Die Durchführung selbst verlangt einen eigenen Plan pro System.
- —Die Auswahl des Anbieters ist nicht enthalten; sie hängt von Bestand, Kompetenzen und regulatorischen Anforderungen ab.
- —Bei besonders schützenswerten Daten oder regulierten Branchen kommen aufsichtsrechtliche Anforderungen hinzu, etwa zu Auslagerungen.
- —Aussagen zu Kosten sind Schätzungen. Belastbare Zahlen entstehen erst im Betrieb, weshalb ein Nachrechnen nach einigen Monaten eingeplant werden sollte.
Übergeordnete Leistung: Digitale Transformation
Passende Angebote
Cloud-Migration-Assessment
Ein Cloud-Migration-Assessment liefert die Entscheidungsgrundlage für den Weg in die Cloud: eine ehrliche Bewertung von Nutzen, Risiken, Kosten und Datenschutz — mit klarer Empfehlung und einem realistischen Migrationspfad. Ergebnis ist eine informierte Entscheidung statt eines Sprungs ins Ungewisse.
Digitalisierungs-Roadmap für KMU
Eine Digitalisierungs-Roadmap gibt einem KMU einen pragmatischen Fahrplan: eine ehrliche Ist-Analyse, eine Priorisierung nach tatsächlicher Wirkung und einen umsetzbaren Plan. Ergebnis ist Digitalisierung mit Fokus auf das, was den Betrieb wirklich voranbringt — statt teurer Projekte am Bedarf vorbei.
Häufige Fragen
Ist die Cloud günstiger als eigene Infrastruktur?
Nicht zwangsläufig. Sie ist flexibler und verlagert Investitionen in laufende Kosten. Ob sie günstiger ist, hängt von Auslastungsprofil und Datenverkehr ab und sollte vorher gerechnet werden.
Sollte man alles auf einmal migrieren?
Selten. Ein System mit wenigen Abhängigkeiten als Erstes zu migrieren liefert Erfahrung und macht die Schätzungen für die folgenden Systeme belastbarer.
Was ist mit Daten, die die Schweiz nicht verlassen dürfen?
Die grossen Anbieter führen inzwischen Schweizer Regionen. Entscheidend ist, dass die Anforderung vor der Anbieterwahl feststeht und nicht nachträglich abgeklärt wird.
Weitere Checklisten
Altsystem ablösen: die Vorarbeit, die über den Ausgang entscheidet
Die Ablösung eines Altsystems scheitert meist an drei Dingen: undokumentierter Fachlogik, die niemand mehr kennt, Datenqualität die erst bei der Migration sichtbar wird, und einem fehlenden Abschaltzeitpunkt, wodurch beide Systeme dauerhaft parallel laufen.
Softwarepartner auswählen: was vor der Beauftragung zu prüfen ist
Bei der Auswahl eines Softwarepartners entscheiden weniger die Referenzen als vier vertragliche Punkte: Wem gehört das Ergebnis, wer hat Zugang zu den Systemen, wie sieht eine Übergabe aus, und was passiert, wenn die Zusammenarbeit endet.
EU-AI-Act-Konformität: die Checkliste für den ersten Durchgang
Ein tragfähiger erster Durchgang durch den EU AI Act besteht aus sechs Schritten: wissen, welche KI im Haus läuft, die eigene Rolle je System bestimmen, nach Artikel 6 einstufen, Transparenzpflichten separat prüfen, KI-Kompetenz sicherstellen und alles so ablegen, dass es im Prüffall auffindbar ist.
