Beide Vorgehensweisen wurden für Teams entwickelt. Ihre Übertragung auf eine Person, die allein arbeitet, verliert deshalb den grössten Teil dessen, wofür sie gedacht waren — nämlich Abstimmung.
Was übrig bleibt, ist trotzdem nützlich, aber es sind unterschiedliche Dinge.
Was von Scrum übrig bleibt
Ohne Team entfallen die Rollen, die tägliche Abstimmung und der grösste Teil der Planungssitzungen. Was bleibt, sind zwei Elemente.
Erstens der feste Zeitrahmen. Sich für zwei Wochen auf eine begrenzte Menge Arbeit festzulegen, schützt vor dem ständigen Wechsel zwischen Aufgaben — der wichtigsten Falle beim Alleinarbeiten.
Zweitens die Rückschau. Sich regelmässig zu fragen, was in den letzten Wochen gut und was schlecht lief, ist ohne Team schwerer und wertvoller, weil es sonst niemand tut.
Nicht übertragbar sind Schätzungen in Punkten und Geschwindigkeitsmessungen. Sie beruhen auf statistischem Ausgleich über mehrere Personen; bei einer Person sind sie Zahlenspiele.
Was von Kanban übrig bleibt
Fast alles, weil Kanban weniger auf Teamabstimmung beruht. Zwei Elemente tragen besonders.
Erstens die Sichtbarkeit: eine Tafel, auf der steht, was ansteht, was läuft und was fertig ist. Bei einer Person ersetzt das nichts, was sonst besprochen würde, aber es entlastet das Gedächtnis.
Zweitens — und das ist der eigentliche Wert — die Begrenzung gleichzeitiger Arbeit. Eine harte Regel, nicht mehr als eine oder zwei Sachen gleichzeitig in Arbeit zu haben.
Diese Begrenzung wirkt bei Alleinarbeitenden stärker als bei Teams, weil niemand da ist, der bemerkt, dass fünf Dinge halbfertig herumliegen.
Die Wahl hängt an der Art der Arbeit
Wer überwiegend planbare Arbeit hat — ein Produkt entwickeln, ein Vorhaben umsetzen —, profitiert vom festen Zeitrahmen. Er erzwingt Entscheidungen darüber, was in den nächsten zwei Wochen nicht gemacht wird.
Wer überwiegend reaktive Arbeit hat — Kundenanfragen, Support, wechselnde Aufträge —, ist mit dem Fluss besser bedient. Ein Zeitrahmen, der ständig durch Dringendes gesprengt wird, verliert seine Wirkung und erzeugt nur das Gefühl, den Plan nicht zu halten.
Die meisten Selbstständigen haben beides. Ein praktikabler Mittelweg ist, einen Teil der Woche für planbare Arbeit zu reservieren und den Rest im Fluss zu bearbeiten.
Der Teil, den beide nicht lösen
Keine Vorgehensweise beantwortet, woran gearbeitet werden sollte. Sie ordnen die Ausführung, nicht die Auswahl.
Wer allein arbeitet, hat niemanden, der eine Priorisierung hinterfragt. Deshalb ist die nützlichste Ergänzung keine Methode, sondern eine regelmässige Frage: Bringt das, woran ich diese Woche gearbeitet habe, das Vorhaben voran — oder war es nur das, was am lautesten war.
Was man weglassen sollte
Werkzeuge, die für Teams gebaut sind, mit Rollen, Freigaben und Berichten. Sie erzeugen Verwaltungsaufwand ohne Gegenwert.
Und die Messung der eigenen Geschwindigkeit. Bei einer Person schwankt sie mit Gesundheit, Auftragslage und Schwierigkeit der Aufgabe so stark, dass die Zahl nichts aussagt — ausser dass man in schlechten Wochen zusätzlich eine schlechte Kennzahl vor sich hat.

