Video ist für Geschäftskunden im deutschsprachigen Raum kein naheliegender Kanal, und für die meisten Anbieter ist er auch nicht der erste. Wo er funktioniert, funktioniert er allerdings anders als Text — und die Übertragung von Suchoptimierungsdenken führt in die Irre.
Der wichtigste Unterschied
Bei Text entscheidet die Suchmaschine, wer eine Seite sieht. Bei Video entscheidet in erster Linie ein Empfehlungssystem, und dessen Massstab ist, wie lange und wie aufmerksam Menschen zusehen.
Daraus folgt eine andere Priorität: Nicht der Titel und die Beschreibung sind der Hebel, sondern die ersten dreissig Sekunden. Ein Video, das die Erwartung des Titels nicht sofort einlöst, verliert Zuschauende — und damit die Empfehlung.
Wo Suchoptimierung dennoch greift
Ein Teil der Aufrufe entsteht über die Suche, sowohl auf der Plattform als auch in der allgemeinen Websuche. Dafür zählen ein Titel, der die Frage aufgreift, wie sie gestellt wird, und eine Beschreibung, die den Inhalt zusammenfasst.
Ebenfalls relevant ist ein vollständiges Transkript. Es macht den gesprochenen Inhalt durchsuchbar und ist gleichzeitig die Grundlage für eine Textfassung auf der eigenen Website.
Kapitelmarken helfen doppelt: Sie erleichtern das Springen und machen einzelne Abschnitte auffindbar.
Der Titel ist keine Schlagwortsammlung
Ein Titel, der aus aneinandergereihten Begriffen besteht, wirkt auf der Plattform schlechter als einer, der eine Frage stellt oder ein Ergebnis verspricht. Die Klickentscheidung fällt bei Menschen, nicht bei einem Algorithmus.
Das Vorschaubild wirkt dabei stärker als der Titel. Es ist der am meisten unterschätzte Einzelfaktor und derjenige, an dem am wenigsten gearbeitet wird.
Was im Geschäftskundenumfeld tatsächlich funktioniert
Erklärungen zu Vorgängen, die schwer zu beschreiben und leicht zu zeigen sind: Softwarebedienung, Abläufe, Vorher-Nachher-Vergleiche.
Aufzeichnungen von Vorträgen, die ohnehin gehalten wurden — sie kosten keine zusätzliche Vorbereitung und erreichen Menschen, die nicht dabei waren.
Antworten auf Fragen, die im Vertrieb wiederholt gestellt werden. Diese Videos haben einen zweiten Nutzen: Sie lassen sich im Verkaufsgespräch verschicken.
Was selten funktioniert
Aufwendig produzierte Imagefilme. Sie kosten viel, werden selten gesucht und beantworten keine Frage.
Kurzformate ohne inhaltlichen Kern. Sie erzeugen Reichweite bei Menschen, die keine Kunden werden, und binden Produktionskapazität.
Und Videos, die nur existieren, weil ein Kanal regelmässig etwas veröffentlichen soll. Frequenz ohne Anlass funktioniert bei Video noch schlechter als bei Text.
Die Verbindung zur eigenen Website
Der grösste Fehler ist, den Kanal isoliert zu betreiben. Ein Video, das ein Thema behandelt, das auch als Artikel existiert, gehört in diesen Artikel eingebettet — und der Artikel in die Videobeschreibung verlinkt.
Das Transkript als Textfassung auf der eigenen Website macht aus einer Videoproduktion zusätzlich eine indexierbare Seite. Der Aufwand dafür ist gering und der Ertrag doppelt.
Wann sich der Kanal lohnt
Wenn es Themen gibt, die sich zeigen besser erklären lassen als beschreiben, und wenn die Produktion mit vertretbarem Aufwand regelmässig möglich ist.
Wenn beides nicht zutrifft, ist Video der falsche Kanal — und die Kapazität in Text besser investiert. Ein aufgegebener Kanal mit vier Videos schadet mehr, als er nützt.

