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Öffentliche Beschaffung

Ausschreibungen auf simap systematisch finden — statt täglich zu suchen

Warum Stichwortsuche auf simap unzuverlässig ist, wie man Suchprofile richtig schneidet, welche Rolle Zuschlagspublikationen spielen und wie man Sprachgrenzen überwindet.

Leutrim Miftaraj
Leutrim Miftaraj
Gründer & CEO
·8 min read

Die meisten Anbieter suchen auf simap.ch mit Stichworten und wundern sich, wie wenig sie finden. Das Problem liegt selten an der Plattform. Es liegt daran, dass eine Vergabestelle in ihrer eigenen Fachsprache publiziert und nicht in der des Anbieters.

Dieser Beitrag beschreibt, wie sich die Suche so aufsetzen lässt, dass sie zuverlässig funktioniert — und was neben den Ausschreibungen selbst noch auf der Plattform steht und regelmässig übersehen wird. Der Gesamtzusammenhang steht im Leitfaden zur öffentlichen Beschaffung in der Schweiz.

Warum Stichworte scheitern

Der Kern des Problems ist Vokabular. Ein IT-Dienstleister sucht nach Softwareentwicklung und findet das Verfahren nicht, das als Fachanwendungsvorhaben, als Applikationsbetreuung oder als Weiterentwicklung eines Fachsystems ausgeschrieben ist. Ein Bauunternehmen verpasst ein Los, weil es unter einer Gewerkebezeichnung läuft, die im eigenen Sprachgebrauch nicht vorkommt. Ein Beratungsunternehmen sieht das Rahmenvertragsverfahren nicht, weil die Vergabestelle es als Unterstützungsleistung im Bereich Organisationsentwicklung publiziert hat.

Diese Abweichungen sind kein Zufall und kein Fehler. Die Vergabestelle beschreibt, was sie braucht, in der Sprache ihres Fachbereichs. Eine Stichwortliste, die auf den eigenen Begriffen aufbaut, findet systematisch nur den Teil, in dem sich beide Sprachen überschneiden.

Suchprofile statt Stichwortlisten

Der bessere Ansatz ist, das eigene Leistungsprofil zu beschreiben statt die eigenen Begriffe zu listen. Statt fünf Stichworten steht dann eine Beschreibung dessen, was das Unternehmen tatsächlich tut, für wen und in welcher Grössenordnung. Ein semantischer Abgleich findet dann auch Ausschreibungen, die dieselbe Leistung anders benennen.

Wo das nicht zur Verfügung steht, hilft ein pragmatischer Zwischenschritt: über einige Wochen die Publikationen im eigenen Bereich breit sichten und die Formulierungen sammeln, mit denen Vergabestellen die eigene Leistung tatsächlich beschreiben. Diese Liste ist nach kurzer Zeit deutlich wertvoller als die selbst formulierten Begriffe.

Das Suchfeld richtig schneiden

Ein zu breites Profil ist so unbrauchbar wie ein zu enges. Wer alles beobachtet, erzeugt viele Treffer und keine Entscheidungen; nach zwei Wochen liest niemand mehr die Meldungen. Am Anfang lohnt sich deshalb ein enger Zuschnitt: der eigene Kanton, das eigene Fachgebiet, eine realistische Auftragsgrösse.

Erweitern lässt sich später, und zwar entlang der eigenen Trefferhistorie. Wenn sich zeigt, dass Verfahren in einem Nachbarkanton regelmässig passen, gehört er dazu. Diese Erweiterung folgt Daten und nicht dem Wunsch, nichts zu verpassen.

Die Sprachgrenze ist eine Selbstbeschränkung

Publiziert wird in der Amtssprache der Vergabestelle. Eine Ausschreibung aus der Waadt erscheint auf Französisch, eine aus dem Tessin auf Italienisch. Wer Suche und Bearbeitung auf Deutsch beschränkt, blendet einen erheblichen Teil des Marktes aus — nicht weil der Zugang verwehrt wäre, sondern aus Gewohnheit.

Für Anbieter, deren Leistung sich sprachunabhängig erbringen lässt, ist das eine der einfachsten Möglichkeiten, das Marktfeld zu vergrössern. Die Hürde ist real, aber kleiner als angenommen: Die Verfahrensstruktur ist dieselbe, und die formalen Anforderungen sind vergleichbar.

Zuschläge sind die unterschätzte Datenquelle

Auf simap erscheinen nicht nur Ausschreibungen, sondern auch die erteilten Zuschläge. Fast alle Anbieter ignorieren diesen Teil vollständig. Dabei beantworten die publizierten Zuschläge über einige Monate hinweg Fragen, die sonst reine Spekulation bleiben: Welche Anbieter gewinnen bei welcher Vergabestelle regelmässig? In welchen Grössenordnungen wird im eigenen Segment vergeben? Wie viele Anbieter treten typischerweise an?

Diese Auswertung ist die Grundlage für einen belastbaren Go/No-Go-Entscheid. Sie zeigt, in welchen Segmenten sich der Aufwand einer Submission lohnt und in welchen nicht — und das ist wirtschaftlich der wichtigste Entscheid im ganzen Prozess.

Die Kontrolle darf nicht an einer Person hängen

Der letzte und häufigste Fehler ist organisatorischer Natur. Wenn die tägliche Sichtung von simap an einer Person hängt, hängt der Marktzugang des Unternehmens an deren Disziplin und Anwesenheit. Ferien, Krankheit oder eine intensive Projektphase reichen, um eine Frist zu verpassen — und Fristen im Beschaffungswesen sind nicht nachholbar.

Besonders folgenreich ist das bei selektiven Verfahren und bei Rahmenverträgen. Die Bewerbungsfrist eines selektiven Verfahrens liegt deutlich vor der Angebotsfrist. Ein Rahmenvertrag erscheint selten und bindet über Jahre. Wer eines von beiden verpasst, ist für die entsprechende Zeit ausgeschlossen, unabhängig von der eigenen Leistungsfähigkeit.

Was daraus folgt

Vier Punkte machen den Unterschied. Das Suchfeld über die eigenen Fachbegriffe hinaus denken. Eng anfangen und entlang der Trefferhistorie erweitern. Die Sprachgrenze bewusst überschreiten, wo die Leistung es zulässt. Und die Überwachung so aufsetzen, dass sie nicht von einer Person abhängt. Wer diese vier Punkte umsetzt, holt aus einer kostenlosen öffentlichen Plattform deutlich mehr heraus als der Durchschnitt — bevor überhaupt über Werkzeuge gesprochen wird.

Wie eine Plattform diesen Ablauf abdeckt, zeigt Submira; welche Werkzeugkategorien es überhaupt gibt und wann sich welche lohnt, ordnet der Überblick zu Ausschreibungssoftware in der Schweiz ein.

About the author
Leutrim Miftaraj
Leutrim Miftaraj
Gründer & CEO · Innopulse Consulting

Gründer und leitender Ingenieur von Innopulse Consulting. MSc Innovation Management (FFHS). Autor von „Identity Over Discipline".

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