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EU AI Act

Was ist ein KI-Reallabor nach dem AI Act?

Kurzdefinition

Ein KI-Reallabor, englisch AI Regulatory Sandbox, ist ein von einer Behörde eingerichteter, kontrollierter Rahmen, in dem Unternehmen innovative KI-Systeme für eine begrenzte Zeit unter Aufsicht entwickeln, trainieren und testen können. Nach Art. 57 AI Act muss jeder EU-Mitgliedstaat mindestens ein solches Reallabor einrichten.

Regulierung und Innovation stehen in einem Spannungsverhältnis, besonders bei einer Technologie, deren Risiken sich oft erst im Einsatz zeigen. Das KI-Reallabor ist das Instrument des AI Act, um diese Spannung zu entschärfen: Unternehmen testen unter Aufsicht, Behörden lernen mit.

Was ein Reallabor ist

Ein Reallabor ist ein von einer zuständigen Behörde eingerichteter Rahmen, in dem ein KI-System nach einem vereinbarten Plan für eine begrenzte Zeit entwickelt, trainiert, validiert und gegebenenfalls unter realen Bedingungen getestet wird. Die Behörde begleitet, gibt Hinweise zur Einhaltung der Anforderungen und dokumentiert die Ergebnisse. Nach Art. 57 AI Act muss jeder Mitgliedstaat sicherstellen, dass mindestens ein Reallabor auf nationaler Ebene eingerichtet ist; mehrere Staaten können gemeinsame Reallabore betreiben.

Was es leistet

Teilnehmende erhalten frühzeitig Klarheit, wie die Behörde Anforderungen auslegt, etwa zu Datenqualität, Dokumentation oder menschlicher Aufsicht. Die Dokumentation aus dem Reallabor, insbesondere ein Abschlussbericht, kann im späteren Konformitätsbewertungsverfahren berücksichtigt werden. Wer im Reallabor nach Plan und in gutem Glauben handelt, ist in Bezug auf Bussen unter dem AI Act geschützt; die Haftung gegenüber Dritten bleibt bestehen.

Was es nicht leistet

Ein Reallabor ist keine Freistellung vom Recht. Datenschutzrecht gilt weiter, und die Datenschutzbehörden werden einbezogen, wenn Personendaten verarbeitet werden. Ein Reallabor ersetzt auch keine Marktzulassung; es bereitet sie vor. Und es ist kein Förderprogramm: Der Nutzen liegt in regulatorischer Klarheit, nicht in Geld.

Vorteile für KMU und Start-ups

Der AI Act sieht vor, dass KMU und Start-ups mit Sitz oder Niederlassung in der EU vorrangigen Zugang zu Reallaboren erhalten und die Teilnahme für sie grundsätzlich kostenlos ist. Für junge Unternehmen, die ein potenziell als Hochrisiko einzustufendes System entwickeln, kann das der effizienteste Weg sein, Fehlentwicklungen früh zu vermeiden.

Und die Schweiz?

Die Schweiz übernimmt den AI Act nicht. Der Bundesrat hat sich dafür entschieden, die KI-Konvention des Europarats umzusetzen und bestehendes Recht sektoral anzupassen. Schweizer Anbieter, die in der EU anbieten wollen, können sich über eine Niederlassung oder Partner in der EU für ein Reallabor interessieren. Für den Einstieg in die Frage, ob ein Produkt überhaupt Hochrisiko ist, empfiehlt sich zuerst eine strukturierte Einstufung, etwa mit unserer Checkliste zur Hochrisiko-Einstufung.

Quellen und Grundlagen

Rechtsstand Oktober 2026. Keine Rechtsberatung im Einzelfall.

EU AI Act ist unser Fachgebiet

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