Das Geschäftskonto ist bei Schweizer Gründungen regelmässig der zeitliche Engpass — nicht das Handelsregister, nicht die Notarin. Wer den Ablauf kennt, plant realistischer.
Zwei Konten, zwei Vorgänge
Für eine Kapitalgesellschaft wird zuerst ein Kapitaleinzahlungskonto benötigt, auf das das Stammkapital vor der Beurkundung fliesst. Dieses Konto ist gesperrt und wird nach dem Handelsregistereintrag in ein reguläres Geschäftskonto überführt oder abgelöst.
Die Bank stellt dafür eine Bestätigung aus, die für die Beurkundung nötig ist. Ohne sie geht es nicht weiter — deshalb steht dieser Schritt am Anfang der Zeitplanung, nicht am Ende.
Warum es dauern kann
Banken sind zu Sorgfaltspflichten verpflichtet und müssen die wirtschaftlich berechtigten Personen identifizieren, die Herkunft der Mittel plausibilisieren und den Geschäftszweck einordnen.
Unproblematisch verläuft das bei in der Schweiz wohnhaften Gründerinnen mit nachvollziehbarem Geschäftsmodell. Länger dauert es bei Beteiligten mit Wohnsitz im Ausland, bei komplexen Beteiligungsstrukturen und bei Branchen, die als erhöht risikobehaftet gelten.
Wer in eine dieser Kategorien fällt, sollte deutlich mehr Zeit einplanen und mehrere Banken parallel anfragen. Eine Absage ohne Begründung ist möglich und kommt vor.
Was die Anbieter unterscheidet
Grossbanken bieten das breiteste Leistungsspektrum, Zugang zu Kredit- und Anlagegeschäft und internationale Abwicklung. Der Preis sind höhere Gebühren und längere Abläufe.
Kantonalbanken und Regionalbanken sind für lokal tätige Unternehmen oft die pragmatischere Wahl: kürzere Wege, persönliche Betreuung, Verständnis für regionale Verhältnisse.
Die Post-Finanzdienstleistung ist für Unternehmen mit hohem Aufkommen an Zahlungen im Inland und Bargeldbezug eine naheliegende Option.
Digitale Anbieter sind schneller und günstiger, mit besseren Schnittstellen zur Buchhaltung. Ihre Grenzen liegen bei Kreditgeschäft, bei komplexeren Fremdwährungsanforderungen und teilweise bei der Eröffnung von Kapitaleinzahlungskonten — das ist vor der Wahl zu prüfen.
Fremdwährungen
Wer in Euro oder Dollar fakturiert, braucht Konten in diesen Währungen. Andernfalls wird jede eingehende Zahlung umgerechnet, und die Spanne zwischen An- und Verkaufskurs schlägt bei jeder Transaktion zu.
Bei nennenswerten Beträgen lohnt der Vergleich der Umrechnungskonditionen mehr als der Vergleich der Kontoführungsgebühren. Die Unterschiede sind erheblich und werden selten offen ausgewiesen.
Schnittstellen zur Buchhaltung
Ein Punkt, der bei der Wahl selten geprüft wird und im Alltag täglich wirkt: ob die Bank einen automatischen Abgleich mit der Buchhaltungssoftware unterstützt.
Manuelles Erfassen von Kontobewegungen kostet über ein Jahr mehr Zeit als jede Gebührendifferenz einbringt. Wer eine bestimmte Buchhaltungslösung einsetzt, sollte die Verbindung vor der Kontoeröffnung prüfen.
Praktische Reihenfolge
Zuerst Bankgespräche führen, dann die weiteren Gründungsschritte terminieren. Wer die Notarin bucht, bevor die Bankbestätigung absehbar ist, verschiebt den Termin.
Bei internationalen Beteiligungsverhältnissen mindestens zwei Banken parallel anfragen. Und bereits zum ersten Gespräch die Unterlagen mitbringen: Statutenentwurf, Angaben zu allen Beteiligten, Beschreibung des Geschäftsmodells und der erwarteten Zahlungsflüsse.

