Ein Vermögensbericht ist nur so gut wie die Daten darunter. Reconciliation ist der Arbeitsschritt, der sicherstellt, dass diese Daten stimmen. Er ist unspektakulär, wird gern verschoben und ist der Grund, warum manche Berichte Vertrauen erzeugen und andere Rückfragen.
Was abgeglichen wird
Positionen: Stimmen Bestände pro Wertpapier mit dem Auszug der Depotbank überein? Bargeld: Stimmen Kontosalden? Transaktionen: Sind alle Käufe, Verkäufe, Erträge und Gebühren erfasst, und keine doppelt? Kurse und Devisenkurse: Gibt es für jeden Bewertungsstichtag einen Kurs, und ist er aktuell? Bei mehreren Banken kommt die Zuordnung hinzu: Dasselbe Wertpapier kann unterschiedlich bezeichnet sein.
Typische Breaks
Fehlende Devisenkurse, die eine Position in Fremdwährung mit null oder einem alten Kurs bewerten. Veraltete Bewertungen, besonders bei nicht bankfähigen Werten. Doppelt importierte Transaktionen, wenn dieselbe Bewegung über eine Datei und einen Feed ankommt. Kapitalmassnahmen wie Splits oder Fusionen, die beim einen System verarbeitet sind und beim anderen nicht. Und Feed-Fehler, bei denen eine Lieferung schlicht ausbleibt.
Nach Schwere priorisieren
Nicht jede Differenz ist gleich wichtig. Ein fehlender Kurs für eine Position mit grossem Gewicht verfälscht das Gesamtvermögen, eine Rundungsdifferenz bei Gebühren nicht. Eine sinnvolle Reconciliation sortiert Breaks nach Auswirkung und klärt die schweren zuerst, bevor ein Bericht verschickt oder eine wertbasierte Gebühr fakturiert wird.
Datenqualität als Compliance-Frage
Falsche Zahlen sind nicht nur ein Reporting-Problem. Wer Gebühren auf Basis des verwalteten Vermögens berechnet, rechnet mit falschen Zahlen falsch ab. Wer Steuerunterlagen erstellt, übernimmt die Fehler. Und wer Plausibilitätsprüfungen zur Mittelherkunft durchführt, braucht vollständige Transaktionen. Deshalb gehört der Abgleich mit einem Audit-Trail dokumentiert: was geprüft wurde, welche Differenzen bestanden und wie sie gelöst wurden.
Rhythmus
Wie oft abgeglichen wird, hängt von Aktivität und Anspruch ab: täglich bei aktiv verwalteten Depots, mindestens monatlich vor jedem Bericht. Wichtiger als die Frequenz ist die Konsequenz: Ein offener Break wird verfolgt, bis er geklärt ist, und nicht im nächsten Monat erneut entdeckt. Für realisierte Gewinne ist zusätzlich eine saubere Tax-Lot-Rechnung auf Basis vollständiger Transaktionen nötig.
