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Family Office

Was ist der risikobasierte Ansatz in der Geldwäschereibekämpfung?

Kurzdefinition

Der risikobasierte Ansatz ist das Grundprinzip der Geldwäschereibekämpfung nach den FATF-Standards: Sorgfaltspflichten werden nicht für alle gleich, sondern nach dem konkreten Risiko einer Beziehung abgestuft. Wer ihn anwendet, definiert Risikokriterien, stuft jede Beziehung ein und richtet Prüftiefe, Freigabe und Überprüfungsrhythmus danach aus.

Der risikobasierte Ansatz ist seit Jahren der Kern der FATF-Empfehlungen, und Empfehlung 1 stellt ihn an den Anfang. Die Idee ist einfach: Wer begrenzte Ressourcen hat, soll sie dort einsetzen, wo das Risiko liegt. Eine lokale Familie mit transparenter Vermögensherkunft braucht nicht dieselbe Prüftiefe wie eine Struktur mit Gesellschaften in drei Ländern und einer politisch exponierten Person.

Typische Risikokriterien

Wohnsitz und Staatsangehörigkeit der beteiligten Personen, Sitz der Gesellschaften, Art und Ort der Geschäftstätigkeit, Komplexität der Struktur, Status als politisch exponierte Person, Höhe der Vermögenswerte, Art und Umfang der erwarteten Transaktionen, Herkunft der Mittel und Befunde aus Sanktions- und Medienprüfung. Welche Kriterien gelten und wie sie gewichtet werden, legt jede Organisation fest; ihre Selbstregulierungsorganisation oder Aufsicht gibt den Rahmen vor.

Wie eine Einstufung entsteht

Aus den Kriterien wird eine Einstufung abgeleitet, meist in drei Stufen: tief, normal, erhöht. Entscheidend ist weniger die Zahl der Stufen als die Konsequenz: Was bedeutet die Einstufung konkret für Prüftiefe, Freigabe und Überprüfungsrhythmus? Eine Einstufung, aus der nichts folgt, ist eine Etikette. Bei erhöhtem Risiko greifen die verstärkten Sorgfaltspflichten.

Die Einstufung lebt

Risiken ändern sich. Eine neue Gesellschaft in der Struktur, ein Wohnsitzwechsel, ein politisches Amt, ein negativer Medienbericht — jedes dieser Ereignisse kann die Einstufung verschieben. Deshalb gehört die Neubewertung in die periodische Überprüfung und zusätzlich in definierte Auslöser, die eine ausserordentliche Prüfung starten.

Warum die Methode dokumentiert sein muss

Der risikobasierte Ansatz gibt Spielraum, und Spielraum verlangt Begründung. Bei einer Prüfung durch die SRO oder eine Prüfgesellschaft wird nicht nur gefragt, wie eine Beziehung eingestuft ist, sondern warum. Die Methode — Kriterien, Gewichtung, Konsequenzen — gehört in eine Weisung, die Anwendung pro Beziehung in die Akte.

Der Ansatz seit der GwG-Revision 2026

Mit der seit dem 1. Oktober 2026 geltenden Revision des Geldwäschereigesetzes unterstehen bestimmte Beratungstätigkeiten neu den Sorgfaltspflichten. Auch für diese Beratenden gilt der risikobasierte Ansatz; den Umfang der Pflichten konkretisiert die jeweilige SRO. Wer neu unterstellt ist, braucht deshalb zuerst eine eigene Risikomethode und nicht nur Formulare. Unser Beitrag zur GwG-Revision 2026 ordnet ein, wer betroffen ist.

Quellen und Grundlagen

Rechtsstand Oktober 2026. Keine Rechtsberatung im Einzelfall.

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