Das Schweizer System der Geldwäschereiaufsicht hat eine Besonderheit: Ein grosser Teil der Finanzintermediäre wird nicht direkt vom Staat, sondern von privaten Organisationen beaufsichtigt, die ihrerseits von der FINMA anerkannt und überwacht werden. Diese Selbstregulierungsorganisationen sind das Rückgrat der Aufsicht über Treuhänder, Zahlungsdienstleister und andere Finanzintermediäre ausserhalb der prudenziellen Aufsicht.
Wer sich anschliessen muss
Finanzintermediäre, die nicht bereits einer prudenziellen Aufsicht der FINMA unterstehen, müssen sich einer SRO anschliessen. Seit dem 1. Oktober 2026 gilt das zusätzlich für Beraterinnen und Berater, die bestimmte Tätigkeiten ausüben, etwa im Zusammenhang mit Immobiliengeschäften oder der Gründung und Errichtung von nicht operativen Rechtseinheiten. Die Übergangsfrist für das Anschlussgesuch läuft im Dezember 2026 ab; den genauen Stichtag und die Anforderungen bestätigt die gewählte SRO. Details in unserer Checkliste zur GwG-Unterstellung.
Was eine SRO tut
Sie erlässt ein Reglement, das die Sorgfaltspflichten des Geldwäschereigesetzes für ihre Mitglieder konkretisiert: Identifizierung, Feststellung des wirtschaftlich Berechtigten, Risikoeinstufung, zusätzliche Abklärungen, Dokumentation, Ausbildung. Sie lässt die Einhaltung durch Prüfgesellschaften kontrollieren, bietet Schulungen an und sanktioniert Verstösse, von der Busse bis zum Ausschluss. Ein Ausschluss hat Folgen, weil ohne Anschluss die Tätigkeit nicht mehr ausgeübt werden darf.
SRO, Aufsichtsorganisation und FINMA
Seit dem Finanzinstitutsgesetz (FINIG) brauchen unabhängige Vermögensverwalter und Trustees eine Bewilligung der FINMA und werden laufend von einer Aufsichtsorganisation (AO) beaufsichtigt. Das ist ein anderes Modell als die SRO. Banken, Versicherungen und andere prudenziell beaufsichtigte Institute unterstehen direkt der FINMA. Wer im Familienumfeld mit mehreren Dienstleistern arbeitet, hat es deshalb oft mit drei Aufsichtswegen gleichzeitig zu tun.
Welche SRO
Es gibt mehrere anerkannte SRO, teils branchenspezifisch, etwa für Anwältinnen und Notare oder für Treuhänder, teils branchenübergreifend. Die verbindliche Liste führt die FINMA. Bei der Wahl zählen Branchennähe, Reglement, Prüfmodell, Schulungsangebot und Kosten. Wer neu unterstellt ist, sollte das Reglement vor dem Gesuch lesen: Es bestimmt, wie der Alltag mit den Sorgfaltspflichten aussieht.
Die Prüfung
Die SRO-Prüfung schaut auf Stichproben von Akten. Gefragt wird, ob die Pflichten erfüllt und die Entscheidungen nachvollziehbar sind: Wo steht die Risikoeinstufung, wo die Begründung, wo der Beleg? Organisationen mit sauberem Audit-Trail bestehen diese Prüfung mit deutlich weniger Aufwand als solche, die Akten vor der Prüfung zusammensuchen.
