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GwG-Revision 2026: wann Beratung unter das Geldwäschereigesetz fällt und was dann zu tun ist

Seit 1. Oktober 2026 unterstehen bestimmte Beratungstätigkeiten dem GwG. Wer betroffen ist, welche Pflichten folgen, welche Fristen laufen und wie man sich organisiert.

Leutrim Miftaraj
Leutrim Miftaraj
Gründer & CEO
·8 min Lesezeit

Der Bundesrat hat am 12. Juni 2026 beschlossen, die Revision des Geldwäschereigesetzes (GwG) und der Geldwäschereiverordnung zusammen mit dem TJPG auf den 1. Oktober 2026 in Kraft zu setzen. Die wichtigste Neuerung für viele Kanzleien, Treuhandbüros und Beratungsunternehmen: Bestimmte Beratungstätigkeiten unterstehen neu den Sorgfaltspflichten des GwG, auch wenn die Beratenden nie selbst über Vermögenswerte verfügen.

Bisher knüpfte das GwG an die Finanzintermediation an: Wer fremde Vermögenswerte annahm, aufbewahrte oder half, sie anzulegen oder zu übertragen, war erfasst. Die Revision erweitert diesen Ansatz. Neu kann auch erfasst sein, wer berufsmässig berät oder unterstützt, wenn die Beratung mit einem konkreten Rechtsvorgang zusammenhängt, der ein erhöhtes Geldwäschereirisiko trägt.

Welche Tätigkeiten erfasst sind

Die FINMA nennt in ihren Hinweisen zur Revision beispielhaft Beratungstätigkeiten im Zusammenhang mit Immobilientransaktionen und mit der Gründung und Errichtung von nicht operativen Rechtseinheiten. Branchenübersichten nennen als betroffene Berufsgruppen insbesondere Rechtsanwältinnen und Notare, Treuhänder, Vermögensverwalter und Immobilienmakler, jeweils abhängig von der konkreten Tätigkeit. Die Unterstellung hängt also nicht am Beruf, sondern an dem, was tatsächlich getan wird.

Drei Merkmale prägen die Prüfung. Erstens muss die Beratung berufsmässig erfolgen. Zweitens braucht es einen konkreten Rechtsvorgang — eine bestimmte Transaktion, eine bestimmte Gründung, eine bestimmte Umstrukturierung —, nicht bloss allgemeine Beratung. Drittens muss die Beratung oder Unterstützung zu diesem Vorgang beitragen. Ausgenommen sind unter anderem anwaltliche und notarielle Tätigkeiten im Zusammenhang mit Gerichts-, Straf- und Verwaltungsverfahren. Für kantonale Amtsnotariate ist das Inkrafttreten aufgeschoben, weil die Kantone zuerst ihre Gesetzgebung anpassen müssen.

Was eine Unterstellung bedeutet

Wer unter die neuen Bestimmungen fällt, muss sich einer von der FINMA anerkannten Selbstregulierungsorganisation anschliessen und die geldwäschereirechtlichen Sorgfaltspflichten einhalten. Den Umfang dieser Pflichten konkretisiert die jeweilige SRO in ihrem Reglement; die Einhaltung wird durch Prüfgesellschaften kontrolliert. Im Kern geht es um die bekannten Pflichten:

Neu ist für die Beratenden zudem der Zugang zum Transparenzregister im Rahmen ihrer GwG-Pflichten. Er erleichtert die Feststellung bei Schweizer Gesellschaften, ersetzt sie aber nicht.

Fristen

Die Sorgfaltspflichten gelten seit dem 1. Oktober 2026 für neue Mandate. Für den Anschluss an eine SRO sieht das Übergangsrecht eine kurze Frist vor, die im Dezember 2026 endet; den verbindlichen Stichtag und die Unterlagen für das Gesuch bestätigt die gewählte SRO. FINMA-Beaufsichtigte und FINMA-Bewilligungsträger, die am 1. Oktober 2026 als Beratende tätig waren, müssen dies der FINMA bis zum 1. Dezember 2026 über ein Formular in ihrer Erhebungs- und Gesuchsplattform melden; sie dürfen bestehende Kunden weiter beraten und neue Aufträge annehmen.

Wer bis heute nicht geprüft hat, ob er betroffen ist, sollte das in den nächsten Wochen tun. Eine Prüfung im Dezember lässt kaum Zeit, eine SRO zu wählen, ihr Reglement zu lesen und die eigenen Abläufe anzupassen.

In welcher Reihenfolge man vorgeht

Erstens die eigenen Tätigkeiten kartieren: Welche Mandate der letzten zwölf Monate hatten einen konkreten Rechtsvorgang zum Gegenstand, und welcher Art? Zweitens die Unterstellung beurteilen und das Ergebnis begründet festhalten, auch wenn es negativ ausfällt. Drittens, falls betroffen, eine SRO wählen und das Reglement vor dem Gesuch lesen. Viertens eine Risikomethode definieren und die Abläufe für Identifizierung, Feststellung, Screening, Dokumentation und Verdachtsfälle beschreiben. Fünftens Mitarbeitende schulen und die Ablage so einrichten, dass eine SRO-Prüfung Akten in Stichproben ohne Suchaufwand findet. Die einzelnen Schritte mit prüfbaren Kriterien enthält unsere Checkliste zur GwG-Unterstellung.

Die häufigsten Fehleinschätzungen

Die erste Fehleinschätzung lautet: Wir berühren kein Geld, also betrifft uns das nicht. Genau diese Annahme hebt die Revision auf. Die zweite lautet: Wir sind Anwälte, also sind wir ausgenommen. Ausgenommen ist die forensische Tätigkeit, nicht jede anwaltliche Tätigkeit; die Beratung bei der Errichtung einer Struktur kann erfasst sein. Die dritte lautet: Formulare genügen. Eine SRO prüft nicht, ob Formulare vorhanden sind, sondern ob die Entscheidungen nachvollziehbar sind.

Die organisatorische Chance

Für viele kleine Kanzleien und Treuhandbüros ist die Unterstellung ein Aufwand ohne direkten Ertrag. Sie zwingt aber zu etwas, das ohnehin sinnvoll ist: einer sauberen Mandatsführung mit klaren Zuständigkeiten, aktuellen Kundendaten und einem nachvollziehbaren Audit-Trail. Wer das einmal aufsetzt, beantwortet nicht nur die SRO-Prüfung leichter, sondern auch die Fragen von Banken, Revisoren und Nachfolgern. Werkzeuge wie FLIORE sind für genau diese Arbeit gebaut: KYC, Kontrollen und Nachweise pro Mandat in einem Ablauf.

Bei Innopulse beraten wir zur Digitalisierung solcher Abläufe, nicht zur rechtlichen Unterstellung. Für die Frage, ob eine konkrete Tätigkeit erfasst ist, ist die gewählte SRO oder eine spezialisierte Kanzlei die richtige Adresse. Für die Frage, wie die Pflichten danach effizient im Alltag laufen, sprechen Sie gern in einem Erstgespräch mit uns.

Über den Autor
Leutrim Miftaraj
Leutrim Miftaraj
Gründer & CEO · Innopulse Consulting

Gründer und leitender Ingenieur von Innopulse Consulting. MSc Innovation Management (FFHS). Autor von „Identity Over Discipline".

Topics
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